The Lurking Horror (MS-DOS)

 Grafik  0 ★
 Sound & Musik  0 ★
 Happy-Wertung  88 ★
MS-DOS (Atari XL/XE/ST, Amiga, Apple II, C 64, Macintosh, Schneider CPC)
79 bis 89 DM (Diskette)

Zwei schöne Grusel-Szenen aus »The Lurking Horror«

Hoppla, hier spukt’s! Infocom entführt Sie zu einer kleinen Horrornacht in den Untergrund einer Universität.

Die berühmtesten Text-Abenteuerspiele haben wir seit Jahren Infocom zu verdanken, einem amerikanischen Softwarehaus, das mittlerweile einen Kult-Status genießt. In ihren Spielen wird man quasi zur Hauptfigur in einem Roman und kann den Handlungsablauf beeinflussen. Sei es in Krimi-Klassikern wie »Suspect«, magischen Abenteuern wie »Spellbreaker« oder Science-fiction-Geschichten wie »Planetfall«. Lediglich die Fans von gruseligen Horror-Storys sind ein wenig zu kurz gekommen. Das bislang einzige gespenstische Infocom-Adventure namens »Moonmist« handelt »nur« von altmodischen Geistern und nimmt sich dabei nicht allzu ernst. Ein richtiger Nervenkitzler, der selbst harte Stephen-King-Fans in Angst und Schrecken versetzen kann, fehlte bislang.

Doch jetzt wird es ernst, liebe Abenteuer-Freunde. «The Lurking Horror« (der lauernde Horror) ist da, ein Grusel-Abenteuer mit so ziemlich allen modernen Schreckensgestalten, die man sich so wünschen kann. Das Schauerstück wurde von Routinier Dave Lebling inszeniert, der zu den Gründern von Infocom gehört.

Die Story ist (wieder einmal) vom Feinsten. Sie sind Student an der G.U.E.-Tech-Universität und haben eine lange Nacht vor sich. Bis morgen müssen Sie nämlich eine zwanzigseitige Arbeit vorlegen, von der bislang lediglich die Überschrift fertig ist. Also kehren Sie am Abend in das Uni-Gebäude zurück, um die Arbeit zu schreiben. Doch diese Nacht bringt so manche Überraschung. Da wäre zum Beispiel der Schneesturm, der mittlerweile aufgekommen ist und ein Verlassen des Gebäudes nahezu unmöglich macht.

Beim fahlen Neonlicht ist die (fast) menschenleere Universität ein etwas beklemmender Ort. In einem Anfall von Abenteuerlust durchstreifen Sie den alten Keller, in dem sich anscheinend seit Jahren niemand mehr aufgehalten hat. Doch damit nicht genug: Es gibt Zugänge zu noch tiefer gelegenen Gängen und Räumen... wollen Sie sich das wirklich ansehen?

Das Grauen lauert nicht nur im modrigen Keller, sondern auch in einem langen Gang. Ein Mann sitzt in einer Maschine, mit der er den Fußboden wachst. Das wäre nicht weiter unheimlich, aber schließlich ist es drei Uhr morgens und der Mann starrt Sie unheimlich an — fast wie ein Zombie. Merkwürdig, daß der Kerl nie mit den Augen blinzelt. Und dann ist da noch der Gang mit den ebenso zutraulichen wie bissigen Ratten. Oder der Altar, an dem sich eine Luke befindet, die einen Tunnel verdeckt. Merkwürdig, daß die Luke ganz ausgebeult ist. Sieht fast so aus, als hätte irgend etwas versucht, sie von unten aufzustoßen.

Zum Gruseln gibt es jedenfalls eine ganze Menge und an logischen Rätseln mangelt es bei diesem Spiel auch nicht. Zumindest zu Beginn sind sie recht einfach und man stolpert förmlich über die Lösungen, wenn man sich überall gut umsieht und ein wenig nachdenkt. Obwohl es gegen Ende schwieriger wird, ist The Lurking Horror eines der Infocom-Adventures, die nicht nur von Experten bewältigt werden können — solide englische Sprachkenntnisse und das Wörterbuch vorausgesetzt.

Neue Wege wird Infocom ab diesem Spiel bei der Packung gehen. Sie sieht von außen zwar so aus wie bei den älteren Programmen. doch sind Anleitung und Packungsbeilagen diesmal in einem Schuber untergebracht. Darunter befinden sich eine Studenten-Ausweiskarte. eine Broschüre über die Universität und eine kleine Überraschung. Was das genau ist, wollen wir nicht verraten. Es hat schon seinen guten Grund, daß diese dritte Beilage auch nicht außen auf der Packung erwähnt wird. Wer sich das Spiel kauft wird jedenfalls durch diesen dritten Gegenstand in eine passende Horror-Stimmung versetzt. (hl)



Heinrich Lenhardt
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