Weltendämmerung: Auf zu neuen Welten

»Weltendämmerung«, unser Listing des Monats für den C 64, ist ein Spiel, das unsere Tester stundenlang vor den Monitor bannte. Lesen Sie, wie der Autor auf die Idee zu diesem Spiel kam.

Es ist tiefe Nacht. Draußen pfeift der Wind durch die menschenleeren Straßen, die nur durch fahles Mondlicht schwach erleuchtet sind. Die ganze Stadt scheint friedlich zu schlafen. Die ganze Stadt? Nein, zwei Menschen grübeln über eine verzwickte Lage. Im Norden haben Schwärme von Blutsaugern zwei Kriegsschiffe überfallen und versenkt. Ein weiteres Vordringen konnte aber von den Bogenschützen verhindert werden. Der Kampf um die alles entscheidende Brücke tobt noch immer unvermindert. Zwei Tore wurden schon mit Rammböcken eingeschlagen, und die Reiter haben Schwierigkeiten, sich gegen die Axtmänner und die Wolfsreiter zu behaupten. Der letzte Schlagabtausch hat viele das Leben gekostet, besonders weil die Lindwürmer die Adler am Südflügel fast vollständig aufgerieben haben. Die Verteidiger hätten doch nicht so viele ihrer Truppen in den inneren Verteidigungsring zurückziehen sollen. Aber der Stratege der Verteidiger hat ja jetzt Gelegenheit die Truppen neu zu formieren.

Was hier wie ein Kriegsbericht aus einer anderen Welt klingt, ist nicht anderes, als ein ganz normaler Lagebericht, wenn zwei Spieler sich in »Weltendämmerung« vertiefen. In diesem Strategie-Spiel begegnen dem Spieler viele Figuren, die man sonst nur aus Romanen wie »Der Herr der Ringe« kennt.

3200 Felder

Die Schlacht der Weltendämmerung findet in einer über 3200 Felder großen Landschaft statt, die alles enthält, was man sich vorstellen kann. Es gibt Wege, Kastelle und Verteidigungsanlagen. Sümpfe und Berge behindern das Vorwärtskommen und ein großer Fluß mit nur einer einzigen Brücke trennt die verfeindeten Heere, die jeweils über mehr als 100 Einheiten verfügen.

Wie es zu diesem Spiel kam, berichtet der Autor Dirk Meier selbst:

»Ich bin jetzt 19 Jahre alt, wohne in Bünde und bin, wenn die Happy-Computer, Ausgabe 4/87, erscheint, mitten im Abiturstreß.

Einen C 64 habe ich seit etwa drei Jahren und das Programmieren —besonders Maschinensprache — wurde schnell mein Hobby. Während dieser Zeit schrieb ich eine ganze Reihe von zum Teil sehr unterschiedlichen Programmen, von denen mehrere auch veröffentlicht wurden. Vor ein paar Monaten entdeckte ich dann plötzlich mein Interesse für einige theoretische Aspekte der Informatik, besonders auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Ich lernte Lisp, begann mich dann für Prolog zu interessieren und vertiefte mich immer mehr in die Theorie, bis es mir irgendwann einfach in den Fingern kribbelte und ich nach aller grauen Theorie endlich mal wieder etwas »Handfestes« programmieren wollte. Am besten ein Spiel.

Da ich mich zu dieser Zeit sehr für J.R.R. Tblkien begeisterte, wollte ich ein Spiel schreiben, dessen äußerer Rahmen eine Fantasy-Welt sein sollte.

Außerdem sollte es kein plumpes Action-Spiel mit einer durchschnittlichen Spieldauer von zweieinhalb Minuten werden, bei dem sich ein einzelner Spieler gegen einen übermächtigen Computer abmüht, sondern ganz etwas anderes. Mir schwebte ein Spiel vor, mit dem sich zwei Spieler einen ganzen Nachmittag beschäftigen könnten.

Beim Programmieren achtete ich dann auf mehrere Dinge:

Als ich mit dem Programmieren begann, hatte ich noch eine Woche Sommerferien. So saß ich am Anfang pro Tag gut acht Stunden vor dem Computer, was dann doch recht grausam war (ich brauchte Unmengen Kaffee). Doch nach knapp vier Wochen Selbstausbeutung war das Programm fast fertig. Ich habe dann aber noch einen Monat drangehängt, um das Programm auf Bugs zu testen und alle Parameter, alle Eigenschaften der einzelnen Figuren so abzuwägen, daß ein wirklich interessantes Spielen möglich wurde.«

Das ist Dirk ohne Zweifel gelungen!

(Dirk Meier/gn)


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