Star der Malprogramme: Monostar (ST)

Man nehme »Degas« und »Deluxe Paint« und mische deren Funktionen. Das Ergebnis heißt »Monostar«.

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Malprogramme sind für ein Grafikwunderkind, wie den ST, eine wahre Wonne. Bisher begeisterte »Degas« die Gemüter der ST-Besitzer, während »Deluxe Paint« beim Amiga führt. Beide Programme haben ihre Vorteile. Diese Vorteile zu vereinen, versucht »Monostar« für den ST. »Monostar« begeistert durch seine Funktionenvielfalt: fünf Pinselformen, 36 Füllmuster, Sprühdose mit drei Größen und drei Intensitäten, 32 Schriftgrößen, die in vier Richtungen darstellbar sind. Zur Verfügung stehen außerdem viele Zeichenfunktionen wie Freihand, Linie, Rechteck, Quadrat, Ellipse, Kreis, Füllen und Radiergummi. Kreise, Ellipsen, Quadrate und Rechtecke lassen sich nach der Größendefinition positionieren. Diese reichhaltige Palette an Grundfunktionen genügt auch gehobenen Ansprüchen. Trotz des üppigen Speichers vermißte man bei Degas, daß mehrere Grafiken im RAM gehalten und nach Belieben ausgetauscht werden konnten. Monostar verwaltet bis zu drei Bildschirmseiten gleichzeitig. Aber nicht nur das: Ausschnitte lassen sich zwischen den verschiedenen Bildschirmen kopieren, was die Arbeit ungemein erleichtert. Verschie- dene Variationen von Zeichnungen sind so schnell miteinander verglichen. Das bei Degas notwendige Zwischenspeichern auf Diskette entfällt. Bei der jetzigen Version ist die Größe der Grafik auf die ge- wohnte Bildschirmgröße fixiert. Wie uns der Programmierer mitteilte, plane man, die Bildgröße auf doppelte Bildschirmgröße zu erhöhen.

Auf Biegen und Dehnen

Ausschnitte von Grafiken lassen sich mit verschiedenen Modi mischen, zum Beispiel transparent, überdeckend oder in XOR-Mode. XORMode heißt: jeder Punkt wird beim Überdecken investiert. Das Ergebnis ist beeindruckend. »Monostar« ist kompatibel zu allen im Bitmustermodus arbeitenden Grafikprogrammen. So können Bilder von »Degas«, »Dr.Doodle« und »Profi Painter« problemlos übernommen und verarbeitet werden. Die Bilder lassen sich auch in einem dieser Formate speichern und dann mit dem jeweiligen Malprogramm weiter bearbeiten. Auch Diskettenfunktionen stellt das Programm mehr als andere Pro- dukte zur Verfügung. Auf Wunsch zeigt es an, wieviel Speicherplatz auf der Diskette frei ist oder wechselt das Laufwerk. Wichtig ist das für Benutzer einer RAM-Disk oder Festplatte. Alle Funktionen werden über die Menüzeile des GEM-Desktop angewählt. Wechselt man durch einen kurzen Druck auf die rechte Maustaste in den Bearbeitungsmodus, so verschwindet die Menüleiste, und der gesamte Arbeitsbereich ist sichtbar. Zum Menü gelangt man jederzeit über nochmaliges Drücken der rechten Maustaste. Zum Füllen von Flächen stehen alle 36 Füllmuster des GEMDOS zur Verfügung. Eine Besonderheit ist der Radiergummi. Seine Größe ist frei definierbar und kann zwischen Punktgröße und der ganzen Bildschirmfläche liegen. Besonders bei großflächigem Löschen spart ein groß definierter Radiergummi sehr viel Zeit. Eine Lupenfunktion (Zoom) mit zwei Auflösungsstufen hilft auch präzise Retuschen am Bild auszuführen. Bei Rechtecken und Quadraten legt man vorher fest, ob man runde oder kantige Ecken wünscht. Zu einem guten Malprogramm gehört auch eine Sprühdose. Die Sprühend se von Monostar bietet unterschiedliche Sprühradien und drei Intensitäten. In einem weiteren Menü kann man die Zeichenfarbe wählen. Wir der Name »Monostar« aber schon sagt, sind das nur Schwarz oder Weiß. Wie bei einem leistungsfähigen Malprogramm üblich, kann man auch Grafiken und Text verknüpfen. »Monostar« bietet verschiedene Schriftgrößen und stellt auf Wunsch den Text unterstrichen, kursiv, fett, umrandet,. hell und in vier Richtungen dar. Nach Eingabe des Textes kann man ihn punktgenau an beliebiger Stelle im Bild positionieren. Monostar arbeitet auch mit Objekten. Ein Objekt ist der frei wählbare Ausschnitt eines Bildes. Er läßt sich separat speichern und bei Bedarf wieder laden. Nach dem Laden integriert Monostar ein Objekt nicht sofort wieder in das Bild, sondern »hängt« es an den Cursor, genauso als wenn man es gerade ausgeschnitten hätte. Das Zusammenstellen von Bildern läßt sich durch eine solche Objektbibliothek wesentlich vereinfachen, Der Programmierer teilte uns mit, daß in einer zukünftigen Monostar- Version die Objekte in »Snapshot«-Format auf die Diskette abgelegt werden. »Snapshots« sind Grafiken, die man in »1st Word plus« laden und mit dem Text auf dem Bildschirm darstellen oder ausdrucken kann. Monostar und 1st Word Plus bilden dann eine ideale Kombination. Mächtige Grafikbefehle, die man bisher nur von Programmen für den Amiga kannte, sind »Biegen«, »Dehnen« und »Stauchen«. Mit Dehnen und Stauchen kann man Bildbereiche stufenlos und punktgenau in der Vertikalen oder Horizontalen vergrößern und verkleinern. Man schneidet dazu nur einen bestimmten Bildbereich aus und definiert durch Setzen des Mauszeigers die gewünschte Größe, Der effektvollste Befehl dieses Programms ist zweifellos das Biegen. Man wählt zwischen drei Biegerichtungen: vertikal, horizontal und beide gleichzeitig und sechs verschiedenen Biegeformen (Verzerren rechts und links, knicken, halber Sinus, ganzer Sinus und doppelter Sinus). Diese programmtechnisch hochkomplizierte Funktion ist einfach zu bedienen. Nur den gewünschten Bildteil ausschneiden und die gewünschte Biegeform anwählen, ein Klick auf die Maustaste, und sofort erscheint das bisher gerade Bild in der gewünschten Verzerrung. Beeindruckend ist bei allen Funktionen des Programms die Geschwindigkeit. Es ist fast unglaublich, daß dieses Programm in GFA-Basic entwickelt wurde. Für 99 DM erhält man ein Malprogramm, das neue Maßstäbe für den Atari ST setzt. Gespannt sein darf man auch auf eine für »Monostar« angekündigte Diskette mit Hilfsprogrammen.

Ulli Jordan/hb


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