Grafik Blitter-schnell (Atari Blitter)

Während der Kakadu aus einem oft gezeigten Grafikdemo zum Atari ST bisher eher gemächlich über den Bildschirm flatterte, »pfeilt« er derzeit in Raunheim bereits wie ein »Blitter«-schnell übers Bild.

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Der Atari 1040 ST mit neuem Platinenlayout, Megabit-RAM9 und »Blitter«

Ein Stück modernster Halbleitertechnologie im Atari 1040 ST, der den Farbmonitor treibt, sozusagen ein elektronischer Rückenwind, bläst den Kakadu mit Siliziumkraft vor sich her, Der Blick ins Innere des 1040 ST lüftet das Geheimnis: Rechts unten auf der Platine steckt der sagenumwobene Blitter- Chip, der die Bildschirmausgabe aller ST-Computer, vom kleinen 260 ST bis zum großen Bruder 1040 ST, entfesseln soll.
So hatte es jedenfalls vor Halbjahresfrist Jack Tramiel in Hannover auf einer Pressekonferenz versprochen. Ein genauer Blick auf die Platine des Prototyps vor uns auf dem Tisch offenbart jedoch, daß die versprochene Ver»Blitter«ung von älteren ST-Modellen wahrscheinlich doch nicht so ohne weiteres machbar ist. Die ST-Platine ist nämlich neu gestaltet, der Blitter im quadratischen »Chip Carrier«-Gehäuse benötigt einen eigenen Sockel, Ohne diesen Sockel blittert also augenblicklich kein ST.
Die neue ST-Platine scheint dem Prototypstadium schon entwachsen zu sein, auch der Blitter selbst sieht bereits aus wie ein fertiger Halbleiterbaustein aus der Serienfertigung. An der völligen Serienreife eines Blitter ST fehlt jedoch zur Zeit noch die erforderliche Anpassung des Betriebssystems. Unser Testgerät mußte das Blitter-BTS von der Diskette laden (203284 Bytes) und arbeitete noch nicht mit der höchsten Bildschirmauflösung (640x400 Pixel in Schwarzweiß). Bis zum Ende dieses Jahres soll jedoch alles fertiggestellt sein.

Blitter: blitzschnell im Bild

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Immer dann, wenn große Bereiche des Bildschirminhaltes verschoben werden müssen, fühlt sich der Blitter so richtig in seinem Element. Das Beschreiben von drei Laufwerkfenstern im Desktop dauert ohne Blitter 2,8 Sekunden, mit Blitter nur noch 1,8 Sekunden. Der erwähnte Demo-Kakadu fliegt mit Blitter etwa vier- bis fünfmal schneller über den Bildschirm, ohne Blitter scheint die Flugbewegung beinahe im Zeitlupentempo abzulaufen. Ein bildschirmgroßer Block im Programm »Neochrom« unter Blitter-BTS folgt fast jeder Mausbewegung mit nur unmerklichem Rucken - ohne das neue Atari- Prunkstück ruckelt der Bildblock auch beim langsamen Ziehen gemächlich hinter der enteilenden Maus her, Blitter und Betriebssystemanpassung harmonieren hervorragend mit vorhandener Software. Die Programme sind unverändert lauffähig, alle Bildschirmoperationen erfahren eine zwar unterschiedliche, aber immer deutlich merkbare Beschleunigung. Der Blitter stellt sicherlich eine sinnvolle Ergänzung der ST-Computer dar. Leider benötigt er unbedingt die neue 1040 ST-Platine, die noch in keinem der ausgelieferten ST-Computer zu finden ist.
Die neue ST-Platine hat aber noch einige andere Überraschungen zu bieten. Statt der sechs Betriebssystem-ROMs mit jeweils 32 KByte Speicher findet man links unten auf der Platine nur noch zwei ROM-Bausteine mit dem Betriebssystem, jedes ROM hat eine Speicherkapazität von 96 KByte.

Mega-Atari

In vier senkrechten Achter-Reihen kann der Prototyp-Computer bis zu 32 sogenannte »Megachips« aufnehmen. Damit lassen sich zwischen 1 und 4 MByte RAM ohne Kunstgriffe auf der Hauptplatine unterbringen. Allerdings würde bei der momentanen Preissituation für Megachips ein 4-MByte-Atari-ST etwa 5000 Mark kosten! Ein 4-Mega-ST zum Atari-Preis benötigt also noch ein wenig Zeit und ein wenig Preisverfall bei den Speicherchips, Mit der neuen Platine ist Atari gut darauf vorbereite Bis dahin, ausstaffiert mit zweunddreißig 256-KBit-RAMs statt der Millionenchips, beherbergt die Platine eben den guten alten Mega ST, selbstverständlich erweitert um die Blitter-Fassung. In Deutschland wird die Blitter ST-Platine wahrscheinlich nie zu der Ehre kommen, als Ruheplatz für Megachips zu dienen, Sie ist nämlich ein wenig zu breit für das sogenannte »Middlebox«. Gehäuse, das wir in Augenschein nehmen konnten. In Deutschland sollen die Multi-millionen-STs nur in einer derartigen Gehäuseform angeboten werden. Nach Aussagen von, Atari handelt es sich bei diesem Erlkönig um eine Designstudie.

Die »Middlebox« besteht aus zwei flachen Gehäusen für Diskettenlaufwerke, Harddisk und Hauptplatine(n), auch ein Schaltnetzteil könnte hier noch seinen Platz finden. Die beiden Gehäuse können bündig übereinander gestellt werden und als Stellfläche für den Monitor dienen. Die Tastatur im abgesetzten Gehäuse war original Atari, also butterweich und unpräzise im Anschlag mit den charakteristisch elegant-unpraktischen Funktionstasten im 45-Grad-Look. Sie soll allerdings noch durch eine Cherry-Tastatur (mit ganz normalen Funktionstasten) ersetzt werden. Die gesamte Kombination ähnelt dann einem herkömmlichen Personal Computer.

W. Fastenrath/hb


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