Spielhallen-Qualität

Das fängt ja gut an: Die ersten Programme für das Super-Videospiel Master System sind da. Darunter sind einige echte Prachtstücke, die vor allem grafisch viel bieten und mit Spielwitz nicht geizen.


»Hang-On« liegt der Konsole kostenlos bei

Bereits in der letzten Ausgabe stellten wir das kleine Wunderkästchen aus Japan vor. das zu Weihnachten die Herzen der deutschen Spiele-Fans erobern soll. Das Sega Master System ist ein Videospiel, das den 8-Bit-Heimcomputern den Kampf angesagt hat. Im Inneren der Konsole schlummert ein Z80-Prozessor, der dank üppigem Video-RAM schnelle Grafik mit 64 Farben auf den Bildschirm bringt.

Vor vier Wochen lagen kaum Spiele für das Master System vor. In dieser Ausgabe wollen wir das Versäumte nachholen und auf das Software-Angebot eingehen. Darunter befinden sich einige Perlen, die selbst bei hartgesottenen C 64-Freaks den Puls schneller schlagen lassen. Es gibt jetzt schon einige Spiele, die so gut sind, daß sich wegen ihnen der Kauf des Master Systems lohnt, das mit 298 Mark (inklusive einem Spiel und zwei Joypads) recht preiswert ist Beginnen wir gleich mit dem Programm, das als kostenlose Zugabe mitgeliefert wird: »Hang-On«. Das Motorradrennen ist die Umsetzung des gleichnamigen Spielautomaten. Der Hauptgag des Automaten ist die ungewöhnliche Steuerung mit einem »echten« Motorradlenker, Bei der Heimversion dreht man freilich mit dem Joypad seine Kurven, was dem Spielwitz doch erheblichen Abbruch tut. Hang-On ist nämlich ein recht simples Spiel, bei dem Sie als Motorradfahrer fünfStrecken innerhalb eines bestimmten Zeitlimits schaffen müssen.


Formel 1 mal zwölf: Das tolle Autorennen »World Grand Prix«

Die Sprites der Motorräder sind gut gelungen, die Hintergrundgrafiken sind etwas langweilig und der Sound bietet neben einer kurzen Titelmelodie gut gemachte Fahrgeräusche.

Die Spielmotivation läßt auf Dauer zu wünschen übrig, aber als kostenlose Beigabe ist das Spiel ein echter Gewinn.

Die Master System-Version von »Choplifter« haben wir bereits in der letzten Ausgabe vorgestellt. Mittlerweile bin ich in den zweiten Level gekommen und kann das aufregende Hubschrauberspiel nur noch einmal nachdrücklich empfehlen. Dieser Spitzentitel bietet tolle Action mit Top-Grafik. Allein die Explosionen sind schon ein Augenschmaus. Ein »Muß« für alle Master System-Besitzer, die nichts gegen Schießspiele haben.

Ein weiteres Spiel, das mich regelrecht begeistert hat. ist das Autorennen »World Grand Prix». Zwölf unterschiedliche Rennstrecken stehen zur Auswahl und wem das noch nicht genug ist. der kann sich mit dem unkomplizierten Editor einen neuen Kurs bauen. Jeder Kurs hat eine andere, sehr starke Hintergrundgrafik. Die Programmierer haben das Mega Cartridge gut ausgenutzt und zaubern nur so mit den Farben. Ein grafisch noch besseres Autorennen kann man sich nur schwer vorstellen.

Titel Preis Grafik Sound Happy- Wertung
Choplifter 79 Mark 84 78 86
World Grand Prix 79 Mark 90 72 84
Fantasy Zone 79 Mark 74 84 80
Transbot 69 Mark 77 63 74
Action Fighter 79 Mark 67 66 72
Hang-On 60 74 53
Black Belt 79 Mark 69 62 46
My Hero 69 Mark 38 37 39

Die ersten Sega-Spiele im Überblick

Spielerisch ist das Programm gut durchdacht. Sie müssen ein Rennen unbedingt innerhalb eines Zeitlimits beenden, um sich für die nächste Fahrt zu qualifizieren. Für besonders gute Zeiten gibt es Bonuspunkte, von denen man Extras für das Rennauto kaufen kann.

Schade nur, daß gewisse spielerische Ähnlichkeiten zu Hang-On nicht zu übersehen sind. Wen das nicht stört, der wird vom World Grand Prix begeistert sein. Ein Freudenfest für Fans von Autorennspielen.

Zwei Prügelspiele dürfen im Angebot natürlich auch nicht fehlen: »Black Belt» und »My Hero«, Letzteres hat die lausigste Grafik aller getesteten Spiele und ist ein recht simpler Geschicklichkeitstest mit nervtötender Musik. Black Belt ist grafisch schon etwas anspruchsvoller und wirkt wie ein aufgemotztes »Yie Ar Kung-Fu« Auch dieses Karatespiel hat mich nicht sonderlich begeistert, aber ich bin ohnehin kein großer Freund dieses in der Regel recht simplen Spielgenres. Rühmliche Ausnahmen wie »International Karate« bestätigen die Regel. Aber das ist natürlich Geschmacksache. Wer Karate-Kloppereien mag. sollte sich «Black Belt« trotz aller Kritik auf jeden Fall einmal ansehen.

»Fantasy Zone« hingegen wandert bei mir recht häufig in den Modulschacht des Master Systems. Auf den ersten Blick gibt das Programm nicht viel her. aber wenn man sich erst einmal eingespielt hat. macht die Sache einen Heidenspaß. Fantasy Zone ist ein unblutiges Schießspiel mit sieben grafisch völlig unterschiedlichen Levels. Außer Punkten kann man auch Bargeld sammeln und so für sein Fantasiegefährt diverse Ausrüstungsgegenstände erwerben. Dadurch kommt ein strategisches Element ins Spiel.

Geschicklichkeits-Freunde, die nichts gegen einen Druck auf den Feuerknopf einzuwenden haben, sollten mal ein Blick auf dieses Programm riskieren.

»Action Fighter« ist eine gekonnte Mischung zwischen »Spy Hunter« und »Xevious«. Man sieht die Fahrbahn im 2D-Plattlook von oben, aber die Sprites sind allesamt von gewohnt hoher Master System-Qualität. Zu Beginn brausen Sie auf einem Motorrad über die Highways, doch durch das Aufsammeln von Extrateilen kann man das Gefährt zum Auto oder sogar zu einem Flugzeug ausbauen. Dazu gibt es unterschiedliche Missionen, die bei diesem überdurchschnittlichen Actionspiel für langfristige Motivation sorgen »Transbot« nennt sich ein weiteres Schießspiel mit Sciencefiction-Handlung, tollen Sprites und starkem 3D-Scrolling. In erster Linie wird geballert, aber man kann sein Raumschiff auch verwandeln. Kein überragend geistreiches, aber gut gemachtes und unterhaltsames Spiel.


Nochmal Motorrad-Action mit »Action Fighter«

Für Freunde von Ballerspielen, die vor dem Griff an eine Spielzeugwaffe nicht zurückschrecken. gibt es ein ausgefallenes Zusatzgerät für das Master System: Wer 169 Mark hinblättert, wird stolzer Besitzer einer Lichtpistole aus robustem Plastik. die anstelle eines Joypads angeschlossen wird. Ein Mega Cartridge mit drei Spielen ist im Preis inklusive. Das ist auch bitter nötig, denn man kann die Pistole nur bei ganz bestimmten Spielen verwenden. Für die nächsten Monate sind weitere Neuerscheinungen angekündigt. bei der man mit der Lichtpistole ballern kann.

Ballern mit der Lichtpistole

»Marksman Shooting« simuliert einen Schießstand, bei dem ständig Ziele auftauchen und wieder verschwinden. »Trap Shooting« ist eine grafisch gelungene Tontaubenschieß-Version und »Safari Hunt« macht Sie zum Großwildjäger: Niedliche Häschen und andere Tiere müssen abgeschossen werden, um im Kochtopf zu landen.

Mal davon abgesehen, daß diese Ballerei mit der Plastikknarre nicht gerade dem guten Geschmack entspricht und der wuchtige Ballermann nicht gerade einen sonderlich dekorativen Eindruck im Wohnzimmer macht — spielerisch geht es recht simpel zu und die langfristige Motivation hält sich in Grenzen. Wer einmal den Bogen raus hat. schafft bei den Pistolen-Spielchen leicht Level um Level. Knall. Päng. Bumm — wen das auf Dauer fasziniert, der möge sich das gute Stück zulegen. Ansonsten kann ich Ihnen nur raten, sich für die 169 Mark lieber zwei gute Mega Cartridges zuzulegen. Wer kein ausgesprochener Ballerfan ist, kriegt so mehr für sein Geld.


Das etwas andere Schießspiel: »Transbot« schlägt zu

Unterm Strich ist das Software-Angebot für das Master System schon sehr erfreulich. Das Videospiel wird seinem Ruf gerecht, daß es echte Spielautomaten-Qualität auf den heimischen Fernseher bringt. Vor Weihnachten sollen noch weitere Spiele erscheinen, die uns leider nicht rechtzeitig zu Redaktionsschluß erreichten. Ich darf deshalb auf unser neues Spiele-Sonderheft verweisen, das Ende Oktober erscheint und sich auch dem Thema Videospiele widmen wird.

Vor allem die Fans von Sportspielen sollten jetzt die Ohren spitzen, denn bis Anfang 1987 sollen diverse Sport-Simulationen für das Master System erscheinen. Egal ob Fußball, Eishockey, Golf oder Basketball — die heißesten Mannschaftssportarten werden in Kürze für das Sega-Videospiel erhältlich sein.


Die Lichtknarre für Rambo Junior

Was jetzt am Master System noch stört, sind die recht stolzen Preise für die Software. Doch für 1987 gibt es Hoffnung auf eine Besserung der Lage. Vor allem die scheckkartengroße Sega Card könnte in Zukunft als preiswertes Speichermedium eine Hauptrolle spielen, da die Produktionskosten für diese praktischen kleinen Dinger ständig sinken.

Da die Softwarefirmen dauernd über die vielen Raubkopierer bei Heimcomputer-Programmen jammern, eröffnen sich bei den Videospiel-Modulen neue, recht rosige Perspektiven. Cartridges und Sega Cards sind nur mit sehr hohem technischen Aufwand zu kopieren. Durch diese elegante Beseitigung des Raubkopierer-Problems können die Anbieter mehr Spiele verkaufen und deshalb — hoffentlich — die Preise weiter reduzieren. (hl)


Mega Cartridge, Sega Card und eine 5,25-Zoll-Diskette

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