Von Oldtimern und Outsidern

Wer beim Computerkauf aufs Geld achtet, kann mit Auslaufmodellen und sogenannten »Exoten« leicht ein Schnäppchen machen. Später kam es aber Probleme geben.

Einsteiger, die nur ein wenig Computerluft schnuppern wollen, spielen oft mit dem Gedanken, sich einen preisgünstigen Computer zuzulegen. Wenn sie der Computerei dann kein Interesse abgewinnen, ist der finanzielle Verlust klein. Preisgünstige Geräte finden sich unter den Modellen, die sich entweder auf dem Markt nicht durchsetzen konnten, und deshalb verramscht werden oder die bereits seit mehreren Jahren auf dem Markt sind, durch die Entwicklung überholt oder durch eine neue, verbesserte Version ersetzt werden.

Tatsächlich jedoch tun sich bei diesen Geräten Probleme auf, an die der Käufer bei der Anschaffung noch nicht denkt. Zum einen gibt es für wenig verkaufte Computer wenig Software, zum anderen existieren keine oder nur wenige Clubs, in denen der Anfänger Rat und Hilfestellung finden kann. Aber auch das Gerät selbst birgt eine Quelle für Komplikationen. So kann es geschehen, daß nach einiger Zeit ein wichtiger Baustein den Geist aufgibt. Nachdem die Modelle nicht mehr hergestellt werden, ist im Falle des Versagens die Reparatur mit großen Schwierigkeiten verbunden. Der Hersteller wird sich nämlich hüten, für eine Handvoll Ersatzteile die Produktion wieder aufzunehmen, deren Kosten in die Millionen gehen würde. Passiert solches innerhalb der Garantiefrist, hat der Käufer Glück. Er kann Erstattung des Kaufpreises oder doch zumindest gleichwertigen Ersatz beanspruchen?

Nach dem Ablauf der Garantie jedoch hat der Computerbesitzer nur zwei Alternativen, seinen Verlust möglichst gering zu halten. Zum ersten kann er per Inserat oder Suche im Kleinanzeigenteil der Fachzeitschriften einen billigen, zweiten Computer suchen. Gewöhnlich existieren noch einige defekte Geräte, die man ausschlachten kann, Das gesuchte Bauteil tauscht man selbst oder mit Hilfe von Freunden oder Bekannten, die Bastelerfahrung besitzen, gegen den defekten aus. Vorsicht: Es hilft natürlich wenig, wenn der hinzugekaufte Computer an der gleichen »Krankheit« leidet, wie der eigene. Achten Sie deshalb darauf, daß der Baustein, den Sie benötigen, noch funktioniert.

Ramsch-Computer

Zum zweiten kann man natürlich auch genau den umgekehrten Weg gehen und den eigenen Computer zum Verkauf anbieten. Gerade bei seltenen Geräten eröffnet der Ersatzteilmangel gute Verkaufschancen. Sollte beides nicht den gewünschten Erfolg versprechen, muß man sich mit dem Verlust des Kaufpreises abfinden. Das mag zwar hart klingen, ist aber bei genauer Überlegung längst nicht so katastrophal, wie es im ersten Moment scheint. Rechnen wir einmal ein paar Beispiele an folgender Situation durch:

Sie haben sich den Computer ohnehin nur gekauft, weil er sehr preiswert war und Sie noch gar nicht wußten, ob Sie der Computerei treu bleiben wollen.

Alternativen:

  1. Sie verlieren bereits nach ein paar Sitzungen die Lust. Der Computer wird nur noch selten angeschaltet und gibt eines Tages den Geist auf. Würden Sie, wenn Sie könnten, das Gerät reparieren lassen? Wahr- scheinlich nicht, denn für sporadischen Gebrauch lohnt sich eine Re- paratur nicht. Auch ein irreparabler Computer ist in diesem Fall (und in dieser Preisklasse) kein Schicksalsschlag. Außerdem können Sie ihn ja - wie schon erwähnt - in defektem Zustand oft noch verkaufen.

  2. Sie sind zwar kein Computerfreak, aber Sie haben den Umgang mit Computern und auch etwas Programmieren gelernt. Gesetzt den Fall, der Kaufpreis für den Computer beträgt ungefähr 240 Mark. Nach etwa zwei Jahren gibt der Computer den Geist auf. Dann hat er Sie pro Monat zehn Mark gekostet. Überlegen Sie nun, wieviel Sie im Monat für Freizeitvergnügen wie Kinobesuche, Eiscreme im Sommer und Bratwurst im Winter ausgeben, ohne dadurch einen bleibenden, später einmal nutzbaren, Wert erhalten haben. Haben sich da die zehn Mark monatlich nicht doch gelohnt?

  3. Sie sind ein Computerfreak geworden. Bald werden Sie feststellen, daß Sie einen neuen, moderneren, besseren oder gar einen ganz bestimmten Computer haben wollen. Genau wie bei jedem anderen Hobby werden Sie zusätzliches Geld investieren, und das unbeschadet der Tatsache, ob Ihr »Anfängercomputer« noch funktioniert oder nicht. Dann verstaubt in der Regel das alte Gerät ohnehin in einer Ecke. Und diese Situation tritt in den meisten Fällen ein, lange bevor der Computer auch nur daran »denkt«, den Geist aufzugeben.

Die drei Beispiele setzen allerdings voraus, daß Sie nicht zuviel in das Drumherum des Computers investiert haben. Besitzen Sie einen Haufen Peripheriegeräte, die speziell auf diesen Computer zugeschnitten sind, und die Sie beim nächsten Gerät nicht weiterverwenden können, trifft Sie der Ausfall des Computers natürlich wesentlich härter. Eventuell können Sie jedoch beim Verkauf der Ausstattung einen guten Preis erzielen. Schließlich ist ja auch Zubehör für nicht mehr gebaute Computer oft rar.

Im übrigen fallen Computer nicht so oft aus, wie Sie vielleicht glauben. »Montagscomputer« gibt es zwar, diese versagen aber meist schon während der Garantiezeit. Preisgünstige Auslaufmodelle oder Exoten haben als Einsteigercomputer durchaus ihre Berechtigung. Sollten Sie mit der Anschaffung des Computers aber bereits spezielle Vorstellungen oder Einsatzwünsche verbinden, so spielen neben dem Preis noch eine Reihe anderer Kriterien eine wichtige Rolle. Der Kauf muß dann nach sorgfältiger Abwägung der einzelnen Gesichtspunkte erfolgen. Eine Hilfe bietet Ihnen hier der Beitrag »Wer die Wahl hat ... « in dieser Ausgabe.

(ue)


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