»Modern talking « mit der Maus: Benutzeroberflächen

Ist das Eintippen von Befehlen Taste für Taste »out«? Eingebe durch anwenderfreundliche Benutzeroberflächen sind die Lösung der Zeit. Denn Komfort ist »in«!

Die »Lisa« von Apple leitete im November 1982 eine neue Ära der Computerbedienung ein. Tippte man Befehle bis dahin noch mühsam Taste für Taste über die Tastatur in den Computer, so bot der Apple-Computer einen seinerzeit in diesem Bereich einzigartigen Eingabekomfort. Symbole, sogenannte »Icons«, wurden auf dem Bildschirm durch einen kleinen Pfeil angesteuert und durch Knopfdruck ausgewählt. Die Steuerung des Pfeils erfolgte durch ein kleines Eingabegerät, die »Maus«. Das Prinzip der Maus beruht auf einer Kugel, die über eine glatte Fläche gerollt wird und je nach Bewegungsrichtung den Pfeil am Bildschirm lenkt. Optische Sensoren im Inneren der Maus setzen die Kugelbewegung in digitale Werte um. Diese Eingabeform bietet neben dem Gewinn an Komfort und Zeit einen weiteren entscheidenden Vorteil:

Der Anwender führt weitgehend natürliche Bewegungen aus während er den Computer bedient, genauso, wie wenn er mit einem Stift über ein Blatt Papier fährt beziehungsweise durch Hand- oder Armbewegung auf etwas deutet. Ein mit dem Computer nicht so vertrauter Anwender muß sich nicht erst total umstellen.

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Der Amiga-Desktop

Mit Taschenrechner und Notizblock

Komfortable Benutzeroberflächen werden in zunehmenden Maße eingesetzt. Neben den schnellen 68000-Computern (Apple Macintosh, Amiga, Atari ST) gibt es auch für 8-Bit-Heimcomputer schon ähnliche Benutzeroberflächen (GEOS beim C 64). Verarbeitungsgeschwindigkeiten wie bei den 16-Bit-Computern erreichen Sie natürlich nicht, die Erleichterung für den Anwender macht es aber leicht, etwas längere Rechenzeiten zu ertragen.

Ausstattungsmerkmal vieler dieser Oberflächen sind kleine Hilfsprogramme wie zum Beispiel ein »Taschenrechner« oder ein »Notizblock«, eine Uhr oder ein Telefonverzeichnis. All diese Gegenstände liegen auf jedem gewöhnlichen Schreibtisch. Deshalb werden die Benutzeroberflächen auch »Desktop« genannt, die englische Bezeichnung für Schreibtischplatte. Zu einem vernünftigen Schreibtisch gehört natürlich auch ein Papierkorb. Deshalb findet man im Desktop ebenfalls ein entsprechendes Symbol. Hier legt man nicht mehr benötigte Files ab.

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GEOS auf dem C64

Ein weiteres Charakteristikum der komfortablen Benutzeroberflächen sind sogenannte »Pull-Down-Menüs«. In der obersten Bildschirmzeile befinden sich einige Menüpunkte, jeweils für ein bestimmtes Gebiet vertreten durch einen Oberbegriff. Durch Ansteuern mit der Maus und »Anklicken«, des Begriffs durch Knopfdruck kann man nun ein zu dem Oberbegriff gehöriges Menü wie ein Schnapprollo herunterziehen und innerhalb des Menüs, wiederum durch »Anklicken« den gewünschten Punkt auswählen. Nach Gebrauch »rollt« sich das Menü wieder zusammen und gibt den Bildschirm zum Weiterarbeiten frei. All diese Eigenschaften benötigen natürlich gute grafische Fähigkeiten seitens des Computers und eine entsprechend hohe Auflösung sowohl des Computers als auch des Monitors. Deshalb bleibt diese Form der Benutzerführung auch bis auf einige Ausnahmen eine Domäne der 16-Bit-Computer.

Daß aber auch bei 8-Bit-Computern eine Benutzeroberfläche mit sinnvollen Dienstprogrammen eine gewaltige Arbeitserleichterung darstellt, zeigt folgendes Beispiel:

Vorgang Commodore 64 Commodore 64 mit GEOS
Lesen des Disketteninhaltsverzeichnisses LOAD "$",8 Anklicken des Disketten-Symbols
Laden eines Programms LOAD "Programmname",8 Anklicken des Programmnamens
Löschen eines Programms OPEN 15,8,15, "S:Programmname" Anklicken des Programmnamens - überführen in den Papierkorb

Die Benutzeroberflächen der Desktop-Computer unterscheiden sich in einigen Details voneinander. Gemein ist ihnen allen aber die hervorragende Benutzerführung. Der Anwender kann oft am Computer arbeiten, ohne ein Befehlswort zu kennen, geschweige denn Ahnung von der englischen Sprache zu haben. Die höheren Programmiersprachen setzen sich gewöhnlich aus englischen Kurzworten zusammen, maschinennahe Sprachen besitzen teilweise einen Code, der beim besten Willen nicht auf sprachliche Grundstrukturen zurückzuführen ist, sondern sich hauptsächlich aus mathematischen Sonderzeichen und unverständlichen Abkürzungen zusammensetzt. Wieviel einfacher ist es da, den Computer durch Auswahl grafischer Symbole zum Handeln zu veranlassen. Dabei spielt auch die eigene Muttersprache nur noch eine untergeordnete Rolle. Sicherlich liegt in den modernen Benutzeroberflächen die Zukunft der Computeranwendung in breiten Bevölkerungsschichten. (ue)


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