Soft Story: Besuch bei Andrew Braybrook

Durch den Riesenerfolg seiner Spiele »Paradroid« und »Uridium« wurde Andrew Braybrook zum Superstar der Programmierer-Szene. Leslie Bunder, unser Mann in England, hat sich mit Andrew über dessen Erfolg und seine nächsten Pläne unterhalten.

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Andrew Braybrook schwimmt auf einer Erfolgswelle

Es ist mittlerweile ein gutes Jahr her, seit Andrew Braybrook mit dem C 64-Titel »Gribbly’s Day Out« sein erstes Computerspiel veröffentlichte. Danach hat Andrew zwei weitere Superhits geschrieben. Der erste war »Paradroid«, ein Nr. 1-Hit in England, der von einem Verlag als »Spiel des Jahres« ausgezeichnet wurde. Der Nachfolger »Uridium« hat sich in der ersten Woche nach seiner Veröffentlichung besser verkauft, als jedes andere Spiel, das in diesem Jahr in Großbritannien auf den Markt kam. Nach diesem Riesenerfolg wurde es höchste Zeit, mit dem 26jährigen Erfolgsprogrammierer ein Gespräch zu führen.

Happy: Wie bist Du an die Computerei gekommen und an welchen Spielen hast Du bis jetzt gearbeitet?

Andrew: Vor ein paar Jahren habe ich an einem IBM-Mainframe programmiert. In meiner Freizeit spielte ich damals in einer Band mit Steve Turner. Steve gab seinen Job auf, da er Spiele für den Spectrum schreiben wollte. Er bot mir an, seine Programme für den Dragon-Computer umzusetzen, der damals recht populär war. Eins führte zum anderen und ich wurde mehr und mehr in Steves Softwarehaus verwickelt, für das ich heute fest arbeite. Ich habe bis heute an sieben Spielen gearbeitet, von denen vier Umsetzungen sind: »3D Space Wars«, »3D Seiddab Attack«, »3D Lunattack« für den Dragon und »3D Lunattack« für den Commodore 64. Die drei Spiele, die ich mir selber ausgedacht und geschrieben habe, sind »Gribbly’s Day Out«. »Paradroid« und »Uridium«.

Happy: Und welches Deiner Spiele gefällt Dir am besten?

Andrew: »Uridium« ist wohl fast das Beste, was man an einem Actionspiel aus dem C 64 rausholen kann, Der Bildschirm wird 50mal in der Sekunde neu aufgebaut! Das Spielprinzip von »Paradroid« war völlig neuartig und unkompliziert. Ich persönlich mag »Gribbly’s Day Out« mehr als »Paradroid« und war ziemlich überrascht, daß »Paradroid« die besseren Kritiken in den Fachzeitschriften erhielt. Im Moment arbeite ich an einem Weltraum-Wettrennen namens »Alley Cat«. Ich möchte darüber nichts weiter ausplaudern; das Spiel erscheint im September.

Happy: Nach zwei Nummer 1Hits bist Du wohl schon ein reicher Mann?

Andrew: Du machst wohl Witze. Nur ganz wenige Spiele verkaufen sich mehr als 50000 mal. Wir sind hier nicht in der Musikindustrie. Ein Top Ten-Spiel bringt gerade genug Geld, um das nächste Programm zu schreiben. Die Einkünfte eines Nr. 1-Hits hängen davon ab, wie lang sich das Spiel verkauft. Die Steuer kassiert pro Kopie mehr Geld als ich. Wenn ein Programm 9 Pfund kostet, landen etwa 70 Pence auf dem Bankkonto des Softwarehauses. Von diesem Geld beziehe ich ein festes Gehalt und eine Provision. Um ein Spiel zu programmieren, brauche ich etwa fünf Monate.

Happy: Erhältst Du Fanpost?

Andrew: Hewson, die Firma, die meine Spiele veröffentlicht, erhält die meiste Fanpost. Sie schickt mir dann die Briefe zum Beantworten. Eine der Fragen, die am häufigsten gestellt werden, ist »Wie schreibt man ein Computerspiel? «. Solche Fragen kann man natürlich nicht in ein paar Zeilen beantworten.

Happy: Wie kommst Du auf die Ideen für Deine Spiele?

Andrew: Manchmal basiert die Idee auf einem Kommentar, den jemand zu einem älteren Spiel abgegeben hat. Meistens entwickelt sich das endgültige Konzept des Spiels, während das Programm geschrieben wird. Steve Turner und ich tauschen unsere Ideen aus und grübeln dann zusammen an den Problemen rum.

Happy: Würdest auch mal gerne ein Programm für einen anderen Computer als den Commodore 64 schreiben?

Andrew: Ich würde sehr gerne etwas für die Atari XL/XE-Computer schreiben, aber leider haben die sich in England nicht durchgesetzt. Es ist eine Schande, denn das sind wirklich tolle Spiel-Computer. Ich würde auch sehr gerne mit dem Amiga arbeiten, aber das lohnt sich erst, wenn genug Leute diesen Computer besitzen.

Happy: Bewunderst Du einen von Deinen Kollegen?

Andrew: Ja, Jeff Minter für seinen originellen Stil und seinen unglaublichen Licht-Synthesizer »Colourspace«. Ich schätze auch Archer MacLean, der »Dropzone« geschrieben hat.

Happy: Was treibst Du so in Deiner Freizeit?

Andrew: Mein größtes Hobby sind offengestanden Computerspiele. Ich höre aber auch gerne Musik, so oft ich kann, Ich habe eine Sammlung von über 100 Compact Discs zu Hause, die alle möglichen Stilrichtungen der Rockmusik abdeckt. Meine Lieblingsinterpreten sind »Rush« und »Pat Benatar«.

Happy: Welche Computerzeitschriften liest Du?

Andrew: Ich kaufe mir jede Woche ein paar Magazine, um auf dem laufenden zu bleiben und zu sehen, was andere Programmierer so machen. Meine Lieblingszeitschrift ist »Zzap! 64«.

Happy: Gibt es etwas in der Software-Branche, das Dich besonders stört?

Andrew: Ich bin auf die Software-Piraterie sehr sauer. »Uridium« gab es als Raubkopie, bevor das Spiel veröffentlicht wurde! Es sieht so aus, als wäre eines der Rezensions-Muster in den Umlauf geraten.

Happy: Vielen Dank für das Interview, Andrew, Es hat eine Menge Spaß gemacht, Viel Glück bei Deinem neuen Spiel »Alley Cat«.

Leslie B. Bunder/Heinrich Lenhardt


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