1050 Turbo, das Multitalent

Auf dem Gebiet der Floppy-Speeder und Druckerschnittstellen mußte man sich als Atari-Einsteiger bisher auf böse Preis-Überraschungen einstellen.

Zielstrebig steuert die Familie der Atari-Heimcomputer auf ihr zehnjähriges Jubiläum zu und noch immer ist der 130 XE der Konkurrenz in manchen Bereichen eine Nasenlänge voraus. Das liegt in erster Linie an den ausgeklügelten Grafikchips und dem hervorragend gegliederten und dokumentierten Betriebssystem.


Platinenausschnitt: So wird »1050 Turbo« in das Laufwerk eingebaut

Die Schwächen des Atari-Systems liegen in einem anderen Bereich, nämlich bei den Peripheriegeräten: Da der Atari keine parallele (Centronics-)Schnittstelle für den Anschluß eines Standardruckers besitzt, wird der Kauf eines brauchbaren Druckers schnell ein teurer Spaß. Leider werden nur wenige Drucker mit einem Direktanschluß für den Atari angeboten. Will man aber einen Drucker mit Centronics-Schnittstelle anschließen, so braucht man zunächst einmal ein Interface. Die Preise für solche Schnittstellen, die wirklich problemlos mit allen Programmen zusammenarbeiten, bewegen sich zur Zeit im Bereich über 200 Mark.

Ein weiterer Schwachpunkt des Atari-Diskettenlaufwerks 1050 ist die begrenzte Speicherkapazität (maximal 130 KByte) und die geringe Geschwindigkeit. Die sogenannte »dual density« (doppelte Schreibdichte) des lOSOer-Laufwerks wird unter Atari-Kennern richtiger »mittlere Schreibdichte« genannt, da sie pro Diskettenseite 50 KByte verschenkt. Besser geeignet ist die echte »double density«, die vor acht Jahren von Atari selbst eingeführt, nach einiger Zeit aber wieder vergessen wurde. In der Zwischenzeit gab es jedoch genug andere Hersteller, die sich bei ihren Laufwerken an diese Vorgabe hielten. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß die meisten Disketten-Betriebssysteme problemlos mit diesem Format, das 180 KBytes pro Diskettenseite erlaubt, zusammenarbeiten. Zu nennen wären hier DOS 2.0s, OSS CP/A, DOS XL, Smart-Dos, MyDos, SpartaDos, TopDos und andere. Eine Ausnahme macht leider nur DOS 2.5.

Ein Münchener Student, langjähriger Kenner der Atari-Szene und Experte für Atari-Diskettenlaufwerke, bietet nun nach langer Entwicklungs- und Testzeit eine Erweiterung für die Atari-Diskettenstation an, die alle diese Probleme auf einmal zu beseitigen verspricht.

Zum Lieferumfang der »1050 Turbo«-Erweiterung gehört eine Platine zum Einbau in das Diskettenlaufwerk und eine 50seitige Anleitung. Obwohl man ohne Löten auskommt, sollte man schon etwas Bastelerfahrung mitbringen, wenn man die Erweiterung selbst einbauen will. Die klar gegliederte und leicht verständliche Einbauanleitung sollte dabei jedoch keine Probleme aufkommen lassen. Der wichtigste Aspekt der Erweiterung ist sicherlich die Fähigkeit, echte doppelte Schreibdichte zu erzeugen. Da zum Lieferumfang keine Diskette gehört, wird in der Anleitung detailliert erklärt, wie man DOS 2.0 für doppelte Schreibdichte einrichten kann. Wer schon stolzer Besitzer eines anderen Diskettenbetriebssystems ist, das mit doppelter Schreibdichte arbeitet, braucht sich nur an die betreffende Bedienungsanleitung zu halten, denn alle Diskettenlaufwerke mit doppelter Schreibdichte arbeiten in diesem Punkt völlig gleich.

Verborgene Fähigkeiten

Der nächste Punkt ist die Erhöhung der Arbeitsgeschwindigkeit des Diskettenlaufwerks. Im Gegensatz zu anderen Erweiterungen braucht man keine speziell angepaßte DOS-Version, da die zur Beschleunigung nötige Software direkt vom Laufwerk in den Computer übertragen wird, wenn man mit offenem Laufwerkhebel bootet. Die erhöhte Datenübertragungsgeschwindigkeit kommt allerdings nur dann zum Tragen, wenn man eine mit »1050 Turbo« formatierte Diskette verwendet. Kopiergeschützte Programme kommen also nicht in den Genuß der Laufwerkbeschleunigung. Ein Beispiel: Die Zeit für den Bootvorgang von DOS 2.5 (mit RAM-Disk) verkürzt sich von rund 15 Sekunden auf die Hälfte. Der Beschleunigungsfaktor kann sich je nach Art des Dateizugriffs und der Schreibdichte auch noch erhöhen. Der Geschwindigkeitsgewinn beim Laden liegt damit im gleichen Rahmen wie bei anderen Floppy-Spee-dern, beim Speichern liegt er sogar noch darüber.

Ein weiteres Merkmal der Laufwerkerweiterung ist, daß man jetzt einen direkteren Zugang auf verborgene Fähigkeiten des Laufwerks hat. Und so ist es auch nicht verwunderlich, daß sich ein Backup-Programm in der Laufwerk-Software des »1050 Turbo« (auf einem EPROM) befindet, das es endlich erlaubt, von viel benutzten Programmen Sicherheitskopien zu machen - auch wenn sie kopiergeschützt sind. Wer selbst ein Programm schützen will, findet bei der Laufwerk-Software ein Track-Formatierprogramm, mit dem man eigene Schutzformate erzeugen kann. Hierbei erläutert die Bedienungsanleitung nicht nur die Geschichte der diversen Schutzverfahren, sondern zeigt auch, wie man solche Schutzschemata von eigenen Programmen aus abfragen kann. Komplettiert wird die Anleitung durch eine Erläuterung, wie man mit eigenen Programmen zwischen einfacher, mittlerer und doppelter Schreibdichte umschaltet. Das dritte Programm ist ein Selbstdiagnose-Programm, mit dem die Erweiterung unmittelbar nach dem Einbau überprüft wird.

Die ganze Erweiterung kostet mit der Software auf EPROM 98 Mark und liegt damit noch in einem Rahmen, der sie auch für ganz schmale Geldbeutel erschwinglich macht.

Die andere Seite der Turbo-Erweiterung ist das eingebaute Centronics-Interface, zu dessen Betrieb noch ein spezielles Druckerkabel, das mit rund 50 Mark zu Buche schlägt, benötigt wird. Dafür kommt man in den Genuß einer Druckerschnittstelle, die voll kompatibel zur Interfacebox 850 ist und deshalb mit wirklich allen Programmen zusammenarbeitet. Die einzige Alternative bei preiswerten Druckerschnittstellen sind Kabel, die über die Joystickports angeschlossen werden und daher noch spezieller Software bedürfen, um mit dem Betriebssystem zusammenzuarbeiten und sich daher oft nicht mit professionellen Programmen vertragen. So ist schon die eingebaute Druckerschnittstelle den Kaufpreis wert. Eine voll funktionstüchtige Druckerschnittstelle für 150 Mark, die mit allen Programmen zusammenarbeitet, wäre bis vor kurzem ein guter Kauf gewesen. Auch ein gleichwertiger Floppy-Speeder kostete bisher deutlich mehr. Beides zusammen ist eine Kombination, zu der es momentan keine preisliche Alternative gibt und die daher allen ans Herz gelegt wird, die mit ihrem Diskettenlaufwerk nicht ganz zufrieden sind oder die Anschaffung eines Druckers mit Centronics-Anschluß planen.

(Julian Reschke/ts)


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