Soft Story: Sound-Hexer Rob Hubbard

Die besten und spektakulärsten Musikstücke auf dem C 64 gelingen ohne Zweifel dem Engländer Rob Hubbard. Für die Leser von Happy-Computer gab der legendäre Klang-Künstler ein Exklusiv-Interview.

Rob Hubbard ist einer der berühmtesten Programmierer, obwohl er noch nie ein erfolgreiches Spiel geschrieben hat. Besser gesagt: Er schreibt überhaupt keine Spiele. Er hat sich vielmehr auf Musikstücke spezialisiert. Einige seiner berühmtesten Kompositionen sind die Melodien zu »Commando« und »Thing on a Spring«, Kritiker meinen manchmal sogar, daß Robs Musik besser ist als das ganze Spiel. Wie dem auch sei, Rob Hubbard hat sich damit eine regelrechte Fan-Gemeinde aufgebaut, die manche Spiele nur wegen seiner Musik kauft. Ein englischer Journalist schrieb einmal: »Es ist unglaublich, wie er den dreistimmigen Commodore 64 so klingen läßt, als hätte er zehn Stimmen.«

Rob ist eher ein ruhiger Typ und steht nicht gerne im Rampenlicht. Nach einigen Versuchen schaffte unser Londoner Mitarbeiter Leslie Bunder es schließlich, einen Interview-Termin mit ihm zu bekommen,

Happy: Wann hast Du angefangen, Musik für Computerspiele zu schreiben?

Rob: Ich habe vor zwei Jahren mal ein Musikstück komponiert und dann etwas Lernsoftware und ein Spiel programmiert, Das hat sich aber als Zeit Verschwendung erwiesen, und ich spezialisierte mich auf die Musik. Nachdem ich die Softwarefirmen gut ein halbes Jahr lang bekniet hatte, erhielt ich meine ersten drei Aufträge. Es waren die Musikstücke zu »Action Biker« von Mastertronic, Gremlin Graphics »Thing on a Spring« und »Confuzion« von Incentive.

Happy: Hast Du auch für andere Softwarehäuser gearbeitet?

Rob: Für eine ganze Menge Darunter befinden sich Mastertronic, Firebird, Elite, System 3, Gremlin Graphics, Martech und Alligata.

Happy: Eine ganz schöne Menge. Welches Musikstück ist Deiner Meinung nach Dein bestes?

Rob: Das ist schwer zu sagen. Ich bin stolz auf alle meine Lieder, aber meine Favoriten sind »Master of Magic«, »Comets«, »Gerry the Germ«, »Spellbound« und »Kentilla«, Meine absoluten Lieblinge sind »Monty on the Run« und »Zoids«.

Happy: Du bist ja ein reiner Commodore-Spezialist. Warum arbeitest Du mit dem C 64 und nicht mit einem Schneider oder dem Spectrum?

Rob: Als ich mich entschied, einen Computer zu kaufen, hörte ich, daß der C 64 die besten Sound-Fähigkeiten hat.

Happy: Wie lange brauchst Du, um ein Lied zu komponieren?

Rob: Das kommt immer drauf an. Normalerweise brauche ich so meine zwei Wochen zum Komponieren und Arrangieren, In wenigen Fällen, in denen die Musik besonders schnell gemacht werden mußte, habe ich es auch in ein, zwei Tagen geschafft. Das war bei »Commando«, »Zoids« und »One Man and his Droid« der Fall. Ich ziehe es vor, mir etwas Zeit zu lassen, doch wenn es drauf ankommt, kann ich sehr schnell arbeiten.

Happy: Rob, so ein Erfolg fällt natürlich nicht über Nacht vom Himmel; wie alt bist Du?

Rob: 30 Jahre. Damit bin ich wohl schon ein älteres Semester in dieser Branche,

Happy: Interessierst Du Dich als alter Fuchs überhaupt noch für die Meinungen der Computer-Zeitschriften?

Rob: Ich sage lieber nicht, was ich von einigen Magazinen halte. »Commodore Horizons« beziehe ich wegen des Amiga-Teils regelmäßig. Ich kaufe auch oft »Commodore Computing International« und spezielle Zeitschriften für Schneider, Sinclair und Atari.

Happy: Was stört Dich an den Magazinen, die Du nicht liest?


»Rasputin« ist eines der vielen Spiele mit Rob Hubbard-Musik

Happy: Spielst Du selber gerne mit dem Computer?

Rob: Momentan fehlt mir einfach die Zeit dazu. Aber wenn ich die Vorab-Version eines Spiels bekomme, zu dem ich die Musik schreiben soll, schaue ich es mir natürlich sehr gut an.

Happy: Was stört Dich überhaupt am meisten in der Szene?

Rob: Die Art, wie gewisse Zeitschriften Spiele besprechen und inhaltlich anscheinend auf Leute mit Erbsengehirnen abzielen. Sie verkünden oft sehr unqualifizierte Meinungen, ohne die geringste Ahnung von der Realisation eines Programms zu haben. Ich kann auch gewisse Kommentare nicht leiden, wie zum Beispiel »ich mag dieses Spiel, weil es super-toll ist« oder »Ich mag das Spiel nicht, weil es völliger Schrott ist«. Mir stinkt auch die Software-Piraterie, gegen die man viel mehr tun könnte.

Happy: Hast Du Lust, eine eigene Softwarefirma zu gründen?

Rob: Offengestanden, nie und nimmer! Das ist mir zu teuer, aufwendig und riskant.

Happy: Benutzt Du Hilfsprogramme wie das »Music Studio«?

Rob: Nein, Ich arbeite in reiner Maschinensprache und benutze einen Assembler. Ich habe mir die meisten Musikprogramme angesehen, aber sie sind in ihren Möglichkeiten zu beschränkt. »Electrosound« gefällt mir noch am besten.

Happy: Ein paar Worte zur Konkurrenz: Welchen Musik-Programmierer schätzt Du selber am meisten?

Rob: Das ist leicht zu beantworten. Es ist eindeutig Martin Galway von Ocean mit seiner Musik zu »Rambo« und »Comic Bakery«.

Happy: Und welche Musik — jetzt mal ohne Computer — hörst Du am liebsten?

Rob: Ich stehe auf alle möglichen Stilrichtungen: Chuck Corea, Brecker Bros. Mozart, Ravel, Tippet, New Order, Tears for Fears, U2, Bowie und die guten alten Rocker; also The Who, die Stones und Konsorten.

Happy: Reden wir etwas über die Zukunft. Welche Spiele erscheinen in der nächsten Zeit, zu denen Du die Musik geschrieben hast?

Rob: Zuletzt habe ich an »International Karate«, »Kentilla«, »Spellbound«, »Thrust« und »Proteus« gearbeitet,

Happy: Und welche weiteren Pläne hast Du?

Rob: Ich werde jetzt eine kleine Pause mit dem C 64 machen und mich mit dem Schneider-CPC und dem Spectrum 128 beschäftigen. Hoffentlich setzt sich der Amiga durch, damit ich die Chance habe, mit dieser Maschine zu arbeiten.

Happy: Vielen Dank für das Interview. Wir freuen uns mit den Lesern auf die nächsten Werke von Dir.

(Leslie B. Bunder/hl)


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