(Speicher-)Millionär in einer Stunde

Speichererweiterungen im 500-KByte-Bereich waren bis heute Fachleuten Vorbehalten. Daß es auch anders geht, zeigen wir am Beispiel des Atari 260 ST.

Der Atari 260 ST wird vom Werk aus mit »nur« 512 KByte RAM ausgeliefert. Um den Speicher auf das (meist erforderliche) eine Megabyte zu erweitern, stehen zwei Wege offen: der Griff zum Lötkolben (nur für geübte Bastler zu empfehlen) oder die Verwendung einer fertig aufgebauten Speichererweiterung. Wir haben die Weide-Erweiterung für Sie getestet. Beim Auspacken kommen zwei unscheinbare Platinen, verbunden durch Flachbandkabel, eine dreiseitige Einbauanleitung und eine Skizze zum Vorschein.

Die für den Einbau benötigten Werkzeuge sind in fast jedem Haushalt vorhanden: je ein kleiner Schraubendreher, Kreuz- und Ge-radschlitz, und eine kleine Zange. Als erstes nimmt man das Plastikoberteil des Computergehäuses ab und entfernt die Tastatur (Stecker läßt sich leicht abziehen). Das Innenleben des ST wird nun nur noch durch eine Metallabdeckung (sie dient als Abschirmung) geschützt. Sie läßt sich durch Lösen von drei Schrauben und dem Aufbiegen einiger Haltelaschen leicht abnehmen. Noch eine weitere Abdeckung, die des Videoteils, entfernen und der eigentliche Einbau kann beginnen.

Dazu wird der Videochip aus seiner Fassung entfernt und ein Zwischensockel an dessen Stelle eingesetzt. In diesem Adaptersockel findet der Videochip nun seinen neuen Platz. Die zweite, kleinere Platine wird auf die MMU gesteckt. Jetzt müssen noch zwei Kabel für die Stromversorgung angeklemmt werden. Hier ist der einzige Schwachpunkt der Erweiterung: Durch Erschütterungen beim Transport können sich die Kabel, durch Krokodilklemmen gehalten, leicht lösen. Es kann sonst nichts weiter passieren, aber es ist ärgerlich, die ganze Zerlegeprozedur noch einmal zu wiederholen. Dies kann man geschickt vermeiden, indem diese beiden Kabel angelötet werden.


Die Platine macht ans einem normalen Atari ST einen Mega-Atari

Vor dem Zusammenbau empfiehlt es sich, den Computer in Betrieb zu nehmen. Über den Basic-Befehl FRE(O) kann man nun den frei verfügbaren Speicher erfahren. Er muß im Bereich um 520 KByte liegen.

Wenn alles funkioniert (beim Testgerät war dies auf Anhieb der Fall), so baut man den Computer wieder zusammen (umgekehrte Reihenfolge wie beim Zerlegen). Wir benötigten für den kompletten Einbau ungefähr eine halbe Stunde.

Die Erweiterung fiel uns dabei in mehreren Punkten positiv auf: Zum einen ist der Einbau so leicht und gut beschrieben, daß man nichts falsch machen kann. Die Verarbeitung ist sauber, die Anordnung der Bausteine schreckt zwar im ersten Moment ab, ist aber durch die große Zahl der Bausteine auf der kleinen Platine kaum anders machbar. Weiterhin sind sämtliche ICs gesockelt, so daß sie im Schadensfall leicht ausgetauscht werden können. Durch selbstklebende Gummistreifen wird die Platine fest an ihrem Platz (sie nutzt den Raum des fehlenden HF-Modulators) gehalten.

Alles in allem kann man sagen: Für einen Preis von 275 Mark erhält man ein Gerät, das den Selbstbau (zirka 180 Mark und mehrere Stunden Arbeit) erspart und zudem mit Sicherheit einwandfrei funktioniert.


Udo Reetz


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