Betriebssystem de Luxe

Der neue Commodore 64 zeichnet sich durch ein besonderes Bonbon gegenüber seinem Vorgänger aus: Auf Diskette erhält man ein zweites Betriebssystem, GEOS.

GEOS — diese vier Buchstaben stehen für »Graphics Environment Operating System«. Der Anwender erhält eine Benutzeroberfläche, ähnlich den Apple Macintosh- oder Atari ST-Desktops mit Windowtechnik und Pull-Down-Menüs (Bild 1). Mit Hilfe einer Maus oder eines gewöhnlichen Joysticks kann man einen Pfeilcursor über den Bildschirm bewegen. Verschiedene Symbole und Kopfzeilen sind durch Druck auf den Feuerknopf anwählbar. Darunter befinden sich das Zeichenprogramm Geopaint, die Textverarbeitung Geowrite, eine Alarm-Uhr, ein Taschenrechner und ein Notizblock. Alle diese Programme befinden sich auf der GEOS-Diskette und werden auf Wunsch nachgeladen.


Bild 1. GEOS-Desktop, Benutzeroberfläche für den C 64

Für jeden etwas

Der Computer kehrt nach Verlassen des Unterprogramms zum »Desktop« zurück. Erfreulich ist, daß durch einen eingebauten Schnellader die Nachladezeiten recht kurz sind. Die Programmteile für sich betrachtet gehören natürlich nicht zur Spitzengruppe ihres jeweiligen Bereichs, die gelungene Mischung und einfache Benutzerführung sind jedoch gerade für Computerneulinge ein guter und zudem noch kostengünstiger Einstieg.

Einzeln betrachtet verfügen Zeichenprogramm und Textverarbeitung durchaus über mannigfaltige Funktionen. Bei Geopaint ist es neben der Wahl von Pinselform und -stärke, dem Zeichnen von Kreisen, Strahlen und Rechtecken, und den übrigen Features, die ein gutes Zeichenprogramm ausmachen, die Fähigkeit, eine komplette Schreibmaschinenseite (640 x 720) als Arbeitsfläche zu nutzen. Auch die Textverarbeitung wartet mit einigen reizvollen Details auf. Die von Diskette ladbaren verschiedenen Zeichensätze können in unterschiedlicher Größe und Form (unterstrichen, umrißhaft, fett) gedruckt werden. Interessant ist, daß diese Schriftarten und -formen auch auf dem Bildschirm dargestellt werden (Bild 2). Für professionelle Anwendungen ist das Textprogramm allerdings zu langsam. Beim Test hinkte das Programm oft hinter der Eingabe der Tastatur her. Für den Einsteiger oder den Anwender, der nur selten einen Brief schreibt, bietet Geowrite jedoch die erforderlichen Funktionen wie Löschen und Verschieben von Textblöcken, Seitennumerierung und Wahl zwischen verschiedenen Zeilenlängen. Das Grafikprogramm erfüllt nahezu alle Anforderungen, ist jedoch, wie GEOS allgemein, nur zweifarbig nutzbar. Der Käufer eines neuen C 64 kann mit der kostenlosen Ergänzung sehr zufrieden sein. Auch die übrigen Hilfsprogramme wie Uhr und Taschenrechner gefallen durch ansprechende Aufmachung und Nützlichkeit. Wer als Besitzer des Vorgängermodells nicht auf GEOS verzichten möchte, soll ab Sommer 1986 die Gelegenheit haben, GEOS nachzukaufen. Preis und Vertriebsweg standen zum Redaktionsschluß noch nicht fest. Die Anschaffung ist für Anwender, die noch kein gutes Text- und Grafikprogramm besitzen, auf jeden Fall zu erwägen. (ue)


Bild 2. Verschiedene Schriftarten bei »Geowrite«

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