Hardware Test: MSX läßt die Maus raus

Grafik-Komfort für MSX-Besitzer: Mit Maus und Zeichenprogramm gelingen sehenswerte Bildschirm-Malereien besonders leicht.

Mäuse sind für alle da! Lange Zeit war dieses Eingabeme-Idium im Heimbereich den Besitzern von Apple-Computern vorenthalten, Jetzt werden sie aber dank des Atari ST zunehmend populärer werden. Vor allem bei Grafik-Programmen ist eine Maus genauer und besser zu handhaben als Trackball oder Joystick. Das hat man sich anscheinend auch bei Philips gedacht und vor kurzem eine MSX-Maus vorgestellt. Da die schönste Maus ohne kompatible Software relativ wenig nützt, spendierte man zur Hardware noch eine Programm-Kassette mit einem Mal-Programm, das sinnigerweise »Cheese« heißt. Das Paket — Mäuschen plus Software — kostet zirka 248 Mark. Sicher kein billiger aber angemessener Preis, zumal die Maus einen Joystick simulieren kann.

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Malen mit Menü: »Cheese«, das Grafik-Programm zur MSX-Maus

Äußerlich erinnert sie ein wenig an die Mäuse für Atari ST und Amiga: Sie weist im Gegensatz zum Apple-Vorbild gleich zwei Aktionsknöpfe auf und macht insgesamt einen recht soliden Eindruck. Um die Maus als Joystick einzusetzen, muß man sie lediglich an Port 1 des Computers anschließen und beim Einschalten den linken Aktionsknopf drücken und schon ersetzt das gute Stück einen MSX-Joystick. Die MSX-Maus ist auch für Programmierer sehr interessant, da man sie mit den Joystick-Befehlen des MSX-Basic einfach abfragen kann.

Die Maus als Joystick

Das Mal-Programm »Cheese« macht einen guten Eindruck. Es bietet in etwa dieselben Fähigkeiten wie vergleichbare Programme für C 64 oder Atari XL/XE. Neben den Standard-Funktionen wie Rechtecke, Linien, Kreise und Ovale ziehen, in drei Strichstärken Freihandzeichnen und Flächen ausfüllen, kann man über die Tastatur auch Text in ein Bild tippen und bestimmte Bereiche beliebig oft kopieren. Neben den 16 MSX-Grundfarben kann man auf 120 Mischfarbtöne zurückgreifen, denen man allerdings deutlich ansieht, daß sie Kreuzungen aus zwei Grundfarben sind. Um pixelgenau zu arbeiten gibt es auch eine »Zoom«-Funktion, mit der man einen Bildausschnitt vergrößern kann.

Das Mal-Vergnügen wird allerdings von einigen Schönheitsfehlern getrübt. Besitzer eines Diskettenlaufwerks dürfen sich etwas verschaukelt vorkommen, da man Bilder unverständlicherweise nur auf Kassette speichern kann. Es ist zwar erfreulich, daß man die Grafiken auch ausdrucken kann, aber bei MSX-Druckern gibt es einen Verzerrungseffekt: Kreise werden beispielsweise als Ovale und Quadrate als Rechtecke aufs Papier gebracht. Außerdem kann man seine gemalten Bilder nicht ohne weiteres in eigene Basic-Programme einbauen; eine Unsitte, die bei Mal-Software sehr weit verbreitet ist. Die Handhabung wird dank gut ausgeklügelter Menüs und der Maus-Bedienung zum Vergnügen: In einer Menüleiste wird jede Funktion durch ein Bildsymbol dargestellt. Man bewegt einfach einen Cursor, drückt auf die linke Maustaste und schon wird die gewünschte Funktion ausgeführt. Ein Druck auf die rechte Maustaste bringt einen jederzeit ins Hauptmenü zurück.

Trotz einiger kleiner Schwächen beim ansonsten lobenswerten Mal-Programm ist die Maus eine sehr interessante Bereicherung des Peripherie-Angebots für MSX-Besitzer. Vor allem für Grafik-Fans, die bisher vergeblich ein gutes Mal-Programm suchten, ist die MSX-Maus eine lohnende Anschaffung.
Heinrich Lenhardt


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