Casio FX-770P - Schultaschen-Computer

Der neue FX-770P kennt nicht nur zahlreiche mathematische Funktionen. Außer Basic hat man ihm auch Assembler beigebracht.

Nicht größer als ein Brillenetui ist der neue FX-770P. Erst wenn man ihn aufklappt, offenbart sich, was in ihm steckt. Um alle Funktionen unterzubringen und den Computer trotzdem handlich zu lassen, verlegte man einen Teil der Tasten und das einzeilige Display in den Deckel. Mit dem Ergebnis, daß nun beide Hälften gleich schwer sind, das Display also nicht in eine augenfreundliche Schräglage gebracht werden kann, ohne daß der Computer nach hinten kippt. Für das Tastenfeld im Deckel wählte man die ZX81-Lösung: eine druckempfindliche Folie. Der Bleistift wird also nicht überflüssig. Glücklicherweise läßt sich ein Summer zuschalten, der einen erfolgreichen Tastentreffer meldet.

Der Zeichensatz ist erfreulich vielfältig. Spielkartenfarben findet man ebenso wie griechische Buchstaben. Leider folgt der Zeichensatz nicht der ASCII-Vorschrift, obwohl sich Zeichenstrings auf »Größe« hin überprüfen lassen.

Der Basic-Befehlsvorrat ist umfangreich und enthält auch so exotische Funktionen wie »Suchproben-Standardabweichung« und »Permutation«, die man in der Wahrscheinlichkeitsrechnung benötigt. 1504 Byte sind frei für Programme und Daten (3552 Byte nach Einbau der Speichererweiterung), Darin sind nicht die 26 Standard variablen A bis Z und die »exklusive« Stringvariable $ enthalten. Aber auch ohne Basic lassen sich Formeln berechnen. Dafür besitzt der FX-770P einen 63 Zeichen langen Extra-Funktionsspeicher.

Die zweite eingebaute Software ist eine kleine Datenbank, die beliebig viele Einträge faßt (soweit der Speicherplatz reicht) und sogar eine einfache Suchfunktion besitzt. Geeignet ist sie besonders für Telefonnummern und Adressen. In Zusammenarbeit mit dem Funktionsspeicher läßt sie sich als Formelsammlung einsetzen. Auch mit Basic-Programmen kann man Daten lesen und hineinschreiben.

Der FX-770P paßt in jede Schultasche

Die interessanteste eingebaute Software ist sicherlich der Assembler, interessant für den, der sich in die Arbeitsweise eines Computers vertiefen will. Dabei hilft die Bedienungsanleitung, die auf allein 80 Seiten (von 280) das Hantieren mit Dual-und Hexadezimalzahlen sowie die 14 Befehle der Maschinensprache beschreibt. Die Ein-/Ausgabefunk-tionen beschränken sich auf das Eintippen und Anzeigen von Zahlen. Auch sind keine Wechselbeziehungen zu Basic-Programmen möglich. Die CPU arbeitet mit 16-Bit-Worten. Von einem echten 16-Bit-Prozessor kann aber keine Rede sein. Das ganze hat nämlich einen Wermutstropfen, der einigen Freaks sicherlich den Spaß an der Sache nimmt. Die CPU, die man mit dem Assembler programmiert, hat nichts mit der des FX-770P zu tun. Sie ist eine Simulation. Fehlprogrammierungen sind sehr gut abgesichert; Abstürze kommen nicht vor. Für den Anfänger hat das natürlich den Vorteil, daß gespeicherte Daten oder Programme nicht verloren gehen.

Als Zubehör gibt es den 20-Zeichen-Thermodrucker FP-12 (199 Mark), der auch den Assembler-Quellcode listen kann, und den Adapter FA-3 (89,90 Mark), über den man einen Kassettenrecorder anschließt. Die 2-KByte-Speichererweiterung OR-2 kostet 69,90 Mark.

Unter dem Strich bleibt ein — auch noch für 299 Mark — interessanter Taschencomputer nicht nur für den Mathematik- und Physikunterricht. Auch wer einen Einblick in die Assembler-Programmierung gewinnen will, ist gut bedient, solange er keine allzu hohen Ansprüche stellt.

(nt)


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