Winter Games - ohne Eis kein Schweiß

Der dritte Olympia-Streich ist da: Im neuen Sportspiel »Winter Games« können Sie sich in sieben neuen Disziplinen versuchen -von Biathlon bis zum Eiskunstlauf. Pudelmützen aufgesetzt und ran an die Joysticks!

Aller guten Dinge sind drei: Nach den großen Erfolgen von »Summer Games« und »Summer Games II« legt Epyx jetzt aktuell zur Jahreszeit ein neues Programm mit sieben Wintersport-Disziplinen vor. Immerhin: Die nächsten Winterspiele stehen bereits 1988 im kanadischen Calgary an. Mit »Winter Games« kann man schon vortrefflich üben, denn das Sportspiel hält, was die ersten Demo-Bilder versprachen: Grafik und Spielwitz von erster Güte.

Wie bei »Summer Games II« sorgt ein Fast Loader für sekundenschnelles Nachladen von Diskette. »Winter Games« ist aber leider nicht zu den beiden »Summer Games«-Programmen kompatibel; man kann also nicht alle insgesamt 23 Disziplinen am Stück spielen. Die Eröffnungsfeier unterscheidet sich nur durch eine Hintergrundgrafik mit verschneiten Bergen von den Vorgängern und auf eine Schlußfeier wie bei »Summer Games II« wurde ganz verzichtet. Wie gewohnt, können bis zu acht Spieler antreten und für eine von sechzehn Nationen an den Start gehen.

Hot Dog: Skiartistik mit Bruchlandungsgefahr

Los geht es mit der ausgefallenen Disziplin »Hot Dog«. Hinter diesem possierlichen Namen steckt die hohe Kunst des Trickskifahrens. Jeder Spieler hat drei Versuche, um während eines Sprungs möglichst kunstvolle Figuren zu drehen und glatt zu landen. Letzteres ist besonders wichtig. Kann eine Figur nämlich nicht rechtzeitig beendet werden, landet der Springer auf der Nase und erhält keinen einzigen Punkt. Die Grafik ist nicht nur sehr gut, sondern auch recht scherzig: Bei den Bruchlandungen landet der geplagte Sportler mal auf dem Bauch, mal auf dem Rücken oder bleibt gar mit dem Kopf in einer Schneewehe stecken. Da macht das Hinfallen fast mehr Spaß als eine saubere Landung. Sechs verschiedene Figuren stehen zur Auswahl, von denen man maximal zwei in einem Sprung ausführen kann. Je nach Schwierigkeit und Ausführung gibt es dann Punkte von der Jury. Die Traumnote ist 6,0. »Hot Dog« erinnert ein wenig ans Turmspringen vom ersten »Summer Games«, ist aber wesentlich witziger und grafisch ansprechender gemacht. Eine vielversprechende Auftaktdisziplin.

Biathlon: Herzklopfen garantiert

Mein persönlicher Favorit in grafischer und spielerischer Hinsicht ist die ausgezeichnete Biathlon-Simulation. Biathlon ist eine Mischung aus Skilanglauf und Schießen. Beim »Winter Games«-Biathlon fegt der Sportler durch drei grafisch ausgezeichnet gestaltete Bilder. Mal geht's bergauf, mal bergab. Durch gleichmäßige Links/Rechts-Bewegungen treibt man seinen Athleten in der Loipe voran. Wenn es abwärts geht, kann man durch Joystickbewegung nach unten sogar beide Stöcke gleichzeitig durchdrücken und so für mehr Schwung sorgen. Am Schießstand wird der Pulsschlag, dessen Frequenz ständig angezeigt wird, zum wichtigen Faktor.

Langlaut: Mit Volldampf in die Loipe

Nach dem anstrengenden Langlauf-Teil liegt der Herzschlag oft über 120. Entsprechend schnell zieht das Fadenkreuz über den Bildschirm, mit den man die fünf Ziele der Reihe nach anvisiert. Wartet man ein paar Sekunden, geht der Puls ruhiger, das Fadenkreuz rauscht langsamer durchs Bild und die Chancen, das Ziel zu treffen, vergrößern sich natürlich. Jeder Spieler muß abwägen, ob er lieber etwas wartet oder das Risiko eingeht, keine Zeit zu verplempern und gleich zu schießen. Jeder Fehlschuß schlägt am Ziel mit fünf Strafsekunden zu Buche. Insgesamt viermal geht es an die Schießstände, wo jeweils fünf Ziele getroffen werden müssen. Der Biathlet mit der besten Endzeit (inklusive Strafzeiten) gewinnt hier die Goldmedaille.

Skisprung: Von der Schanze...

... in den Schnee

Das ganze ist eine verblüffend gute Umsetzung der komplizierten Sportart Biathlon, deren Grafiken das letzte aus dem C 64 herausholen. Garniert wird die Disziplin mit dezenten Soundeffekten: Der Herzschlag des Spielers pocht, ein Eisbach rauscht und am Schießstand wird das Gewehr geräuschvoll geladen Joystick nach unten/nach oben).

Eiskunstlauf: Doppelt hält besser

Gleich zweimal taucht der Eiskunstlauf auf: Einmal mit dem Pflichtprogramm und einmal mit der Kür. Mit dem Joystick kann man eine schön animierte Dame sechs verschiedene Figuren aufs Eis legen lassen — vom Doppelaxel bis zum dreifachen Lutz. Bei der Pflicht hat man eine Minute Zeit, um in getragenen Takten aus »Schwanensee« jede Figur einmal auszuführen, ohne dabei auf die Nase zu fallen.

Die Computer-Jury bewertet das Programm nämlich streng und Patzer sorgen für Punktabzüge. Wie bei den Trickskifahrern ist auch hier 6,0 die optimale Wertung. Bei der Kür hat man zwei Minuten Zeit und darf zu modernen Rhythmen alle Elemente bis zu dreimal verwenden. Ansonsten gibt es keine Unterschiede, wenn man einmal von der Hintergrundmusik absieht. Viel Action gibt es nicht, doch die geruhsame Doppel-Disziplin erfreut das Auge mit den anmutigen Bewegungen der Läuferin. Man hat auch einiges zu tun, bis man alle Figuren beherrscht und sie zu einer fließenden Kür kombinieren kann.

Skisprung: Gute Haltung erwünscht

Anschließend sind die Skispringer an der Reihe. Auf Feuerknopfdruck hin zischt der Athlet die Schanze herunter: ein weiterer Knopfdruck und er hebt ab. Wer spät abspringt, fliegt auch weit — doch wenn man zu lange zögert, fällt der Springer mit einem deprimierenden »Blubb« von der Schanze in den nächsten Schneehaufen.

Nach dem Absprung wechselt das Bild und die Position des Springers im Flug wird gezeigt. Fehler in der Haltung kann man nun mit dem Joystick ausgleichen. Kippt der Athlet zu weit nach links oder rechts, korrigiert man durch Gegensteuern. Joystick nach oben, wenn er in die Knie geht und Joystick nach unten, wenn die Skier sich überkreuzen. Mit etwas Geschick legt man so eine saubere Landung hin. Zur gesprungenen Weite werden noch »Style Points« für die Körperhaltung im Flug vergeben. Auch hier besticht die technisch raffinierte Umsetzung der Sportart in Joystick-Dimensionen. Grafik und Musik sind auf dem hohen »Winter Games«-Gesamtniveau.

Ein kleines Selbstplagiat haben sich die Autoren beim Eisschnellauf geleistet, der stark ans Rudern von »Summer Games II« erinnert. Der Bildschirm ist in zwei Hälften gesplittet; jeder Spieler sieht die Bahn so aus seiner Sicht. Durch möglichst gleichmäßiges Links/Rechts-Gewackel mit dem Joystick macht man Tempo. Von der Technik her die einfallsloseste Disziplin, die dennoch für 30 spannende Sekunden sorgt, wenn zwei gleichstarke Spieler gegeneinander antreten.

Eleganter Eiskunstlauf

Ruhig Blut am Biathlon-Schießstand

Unfallgefahr beim Bobfahren

Trickski mit »Hot Dog«

Bobfahren: Die Angst des Spielers vor der Kurve

Mit Karacho geht es zu guter Letzt in die Bobbahn. Links sieht man auf dem Bildschirm eine Übersichtskarte der gesamten Strecke, rechts die Bahn aus der Sicht der Fahrer. Wenn der Bob in eine der zahlreichen Kurven donnert, muß man durch Gegensteuern verhindern, daß er zu hoch getragen und aus der Bahn geworfen wird. Bei dem nicht unbeträchtlichen Tempo erkennt man die Kurven erst ziemlich spät und ist auf gute Reaktionen angewiesen. Wer eine besonders schnelle Zeit fahren will, steuert erst im letzten Moment gegen die Kurve. Das Risiko, aus der Bahn zu fliegen, ist bei dieser Methode allerdings sehr hoch. Durch Joystickdruck nach vorne kann man die Geschwindigkeit sogar noch erhöhen.

Jeder Spieler hat drei Fahrversuche. Die beste Zeit — der Redaktionsrekord liegt knapp unter 22 Sekunden — wird schließlich gewertet. Beim Bobfahren kann man nur beschränkt in das Geschehen eingreifen, doch die sehr schnelle Grafik macht dieses Manko wieder wett. Schade nur, daß der Streckenverlauf stets gleich ist und so auf Dauer etwas langweilig wird.

Das Gesamturteil fällt wie bei »Summer Games« I & 11 sehr gut aus. Von einigen kleinen Schönheitsfehlern abgesehen, ist »Winter Games« ein absolutes Muß für Sportspiel-Fans. Spielerisch und grafisch dürfte dieses Spiel-Genre allerdings ausgereizt sein; viel mehr als die hier gezeigte Qualität läßt sich kaum aus den 8-Bit-Heimcomputem quetschen. Wenn Sie mit Begeisterung »Summer Games« spielen, sollte der winterliche Nachfolger auf keinen Fall in Ihrer Software-Sammlung fehlen. Allen Computerspiel-Fans — Sportspiel-Muffel allerdings ausgenommen - darf »Winter Games« herzlich empfohlen werden. Ein sicherer Anwärter auf eine Verkaufs-Goldmedaille im Weihnachtsgeschäft. (hl)

20 x »Winter Games« zu gewinnen

Rushware, der deutsche Distributor von Epyx, spendiert unseren Lesern 20mal das brandneue Sportspiel »Winter Games« für den Commodore 64. Um bei der Verlosung mitzumachen, müßt Ihr auf eine Postkarte schreiben, wo die Winterspiele 1988 ausgetragen werden (Wer's nicht gleich weiß: Aufmerksam den Artikel lesen). Gebt bitte an, ob Ihr lieber die Kassetten- oder die Diskettenversion gewinnen wollt. Schickt Eure Karten an die Redaktion Happy-Computer, Kennwort: Winter Games, Hans-Pin-sel-Str. 2,8013 Haar bei München. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluß ist der 15. Dezember 1985. (hl)

Name: Winter Games
Computer: C 64
Spieletyp: Sportspiel Preis: 39 Mark (Kassette), 59 Mark (Diskette)
Besonderes: Sieben starke neue Disziplinen

Mit Volldampf ins Ziel: Eisschnellauf
Heinrich Lenhardt



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