Wie musikalisch ist mein Heimcomputer?

Es dröhnt aus allen Ecken. Mittlerweile besitzt fast jeder Heimcomputer ein Musiksystem, das über die Minimalanforderungen hinausgeht.

Commodore - Bewährtes und Neues

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Ein Lob für Commodore, ...

Bislang galt der C 64 als Stradivari unter den Heimcomputern. Seine drei Tongeneratoren verhalfen ihm zu seinem Ruf als musikalisch leistungsfähigstes Gerät auf dem Markt. Auch heute noch, nachdem Computer von Yamaha und Atari durch Frequenzmodulation und Midi neue Klangdimensionen erschlossen haben, setzt die Qualität des SID (so heißt der Sound-Chip des C 64) Maßstäbe für andere Heimcomputer im bezug auf Ton und Klangbearbeitung. Aus diesem Grunde wurde der Sound-Chip wohl auch unverändert in den C 128 übernommen. Darüber hinaus bietet der neue Commodore eine Reihe von Basic-Befehlen, um die Programmierung von Musikstücken zu vereinfachen. Der Makel des C 64, Musikdaten mühsam in den Speicher POKEn zu müssen, wurde also behoben.

Technische Daten:

Empfehlenswert wird der C 64 auch durch das große Angebot an Musiksoftware. Dem Computer-Musiker stehen eine Vielzahl leistungsfähiger Programme zur Verfügung. Gespannt sein darf man auf den Amiga. Mit einem zweimal zweikanaligen Stereo-Synthesizer ausgestattet, wird er eine neue Epoche der Computermusik einläuten.

MSX - Eine Ausnahme bestätigt die Regel

center Technische Daten:

Ohne Filter und ohne ADSR-Programmierung sind die MSX-Computer dennoch recht ansprechende Musiker. Der Klang reicht vielleicht nicht ganz an den des C 64 heran, aber die standardisierten Geräte liegen, was ihre musikalischen Fähigkeiten angeht, über dem Durchschnitt.

Eine Ausnahme macht der Yamaha CX-5. Achtstimmig polyphon, mit 43 fest eingestellten Klängen versehen, bietet er darüber hinaus auch noch frei programmierbare Sounds im Stile eines DX-7 Synthesizers, der Profi-Maschine des selben Herstellers.

Erstmals wurde hier ein Heimcomputer mit einem Musiksystem ausgestattet, das diesen Namen zu Recht trägt.

Generell gut aber für alle MSX-Computer, daß bei durchaus guter Qualität das noch geringe Angebot an Software für viele Käufer ein Grund ist, auf den Erwerb eines solchen Gerätes zu verzichten. Schade, angesichts der Leistungsfähigkeit dieser Computer.

Atari - Wo soll das enden?

center Der 600er ist schon vom Markt und der 800er wird ihm wohl bald folgen. Die neuen Heimcomputer von Atari aber schicken sich an, die Hitparaden zu stürmen. Das Musterbeispiel für Entwicklungsarbeit macht auch vor den musikalischen Fähigkeiten nicht halt. Der 520 ST besitzt ein integriertes Midi-Interface, durch das man Steuerdaten an kompatible Synthesizer, Sequenzer und Rhythmusgeräte senden kann.

Die musikalischen Anwendungsgebiete erstrecken sich bis in den professionellen Bereich. Der Computer wird, verbunden mit entsprechenden Instrumenten, sowohl auf der Bühne als auch im Studio, einsetzbar.

Für den musikalischen Laien ist diese Art der Anwendung allerdings kaum von Nutzen. Ein Midi-Interface interessiert schon eher die eingefleischten Musiker unter den Computer-Besitzern. Deren Zahl dürfte aber, durch solche Ausstattungsmerkmale aufmerksam gemacht, in nächster Zeit stark zunehmen.

Im übrigen bietet Atari gewohnte Kost, was die Tonerzeugung angeht. Die Klangeigenschaften des Atari-Soundchips, der sowohl im 800 XL wie auch im 130 XE und 520 ST zum Einsatz kommt, gleichen weitgehend den Fähigkeiten der MSX-Computer auf diesem Sektor. Allerdings beschränkt sich der Tonumfang auf dreieinhalb Oktaven. Drei Tongeneratoren und ein Rauschgenerator sorgen für einen satten Sound.

Schneider - keine Volksmusik

center Technische Daten:

Der Computer aus England ist durchaus in der Lage, sich dem gehobenen Standard der vorhergenannten Geräte zu stellen.

Seine musikalischen Leistungen sind denen der Ataris und der MSX-Computer ähnlich. Außergewöhnlich ist der Einsatz von Frequenzverschiebungen als klangliches Gestaltungsmittel. Auf einfache Weise lassen sich so Modulationen wie Vibra-to und Tremolo erzeugen. Mit dieser Fähigkeit besitzt der Schneider etwas, das ihn von anderen Computern unterscheidet.

Überhaupt kann man sagen, dass jedes bisher genannte Gerät eine Besonderheit aufweist. Bei Commodore sind es die programmierbaren Hüllkurven und Filter, der MSX-Standard bietet eine Vielzahl verschiedener Rauscharten und eine Feineinstellung der Hüllkurven. Ataris Größter besitzt ein Midi-Interface und Schneider erfreut den Benutzer mit der oben erwähnten regelbaren Frequenzverschiebung. Aufgrund dieser Tatsachen ist es auch nahezu unmöglich, einen Computer besonders zu empfehlen.

Der professionelle Musiker wird sich wohl ohne zu zögern für den Yamaha-Synthesizer-Computer entscheiden, der ihm außerdem noch ein Midi-Interface zur Verfügung stellt. Für den Hobby-Komponisten bleibt jedoch weiterhin der C 64 das Maß aller Dinge, vor allem wegen des niedrigen Preises und dem großen Angebot an Musik-Software.

Aber auch Schneider- und Atari-Fans dürfen mit den Leistungen ihrer Computer zufrieden sein.

Apple - da ist der Wurm drin

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Wenig Erfreuliches bei Apple

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Warum sich aber ausgerechnet ein 3000-Mark-Computer auf musikalischem Gebiet als Niete entpuppen muß, ist nicht leicht einzusehen. Vielleicht liegt der Grund darin, dass Apple einer der ersten Heimcomputeranbieter war, und die Modelle der Iler-Reihe auch heute noch sehr beliebt sind. Dadurch ist der Hersteller nicht gezwungen, Produktpflege zu betreiben und seine Computer dem heutigen Musikstandard anzugleichen.

Das Apple IIc-Benutzer-Handbuch schweigt sich aus über die Programmierung von Geräuschen. Verständlich, wenn man bedenkt, dass es beim Apple II zur Tonerzeugung notwendig ist, den eingebauten Lautsprecher direkt anzusprechen. Durch PEEKs und POKEs wird die Membrane zum Schwingen gebracht. Man wird anfangs einige Stunden opfern müssen, um durch Ausprobieren den gewünschten Klang zu erzeugen.

Technische Daten:

Sinclair - die Sache mit dem BEEP

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... und Sinclair

Technische Daten:

Zugegeben, die Musikdaten des Spectrum überzeugen nicht. Dennoch kann man mit etwas gutem Willen ganz brauchbare Klänge hervorzaubern. Indem man sehr viele kurze Töne zu einem längeren verschmelzen läßt und die Tonhöhe variiert, erzeugt man alle zu einem Spiel nötigen Hintergrundgeräusche und, sofern man keine allzugroßen Qualitätsanforderungen stellt, auch einfache Melodien. Ein musikfähiger Heimcomputer wird der Spectrum dadurch zwar noch nicht, aber seine Tonprogrammierung ist allemal komfortabler als die des Apple.

Einem musikinteressierten Computer-Freak ist vom Erwerb der beiden zuletzt besprochenen Heimcomputer in jedem Falle abzuraten. Auf Dauer wird er von beiden enttäuscht sein.



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