Frankie goes to Hollywood - Vom Platten-Hit zum Computer-Bit

Frankie goes to Hollywood, Liverpools spektakulärste Band seit den Beatles, gibt es jetzt auch als Computerspiel, Starprogrammierer schufen einen Renner in dem alle möglichen Spieleelemente zu einer schillernden Mischung mit erstklassiger Grafik vereint werden.

Die Umsetzung des größten Medien-Spektakels seit »Ghostbusters« dürfte die Software-Szene in den nächsten Monaten nachhaltig erschüttern: »Frankie goes to Hollywood«, die Rockgruppe, die in den letzten anderthalb Jahren für reichlich Gesprächsstoff und Hits sorgte, stand Pate für ein in jeder Hinsicht bemerkenswertes Computerspiel.

Zunächst wurde ihre erste Single »Relax« wegen des reichlich zweideutigen Textes von der englischen Rundfunkanstalt BBC auf die schwarze Liste gesetzt. Sendeverbot gab es auch für den Video-Clip. Eine bessere Publicity hätte es für die Single nicht geben können; wochenlang belegte sie den ersten Platz der englischen Hitlisten und eroberte von da aus weltweit die Charts. Die Nachfolgesingle »Two Tribes« wiederholte diesen Riesenerfolg. Im Video-Clip schlagen sich Doppelgänger der damaligen Staatschefs Reagan (USA) und Tfechernenko (UdSSR) die Köpfe blutig: Ringkampf der Regierenden als Kriegsersatz.

Zur Weihnachtszeit kamen Frankie dann mit der Superschnulze »Power of Love« und der langerwarteten Debüt-LP. Die Langspielplatte »Welcome to the Pleasure Dome« ist ein Dopppelalbum, das geschickt alle Stilrichtungen der Popmusik durch den Fleischwolf dreht.

Das Image macht die Hits

Das Aufsehen, das die Truppe um Star-Produzent Trevor Hörn erregte, war der ideale Nährboden für die totale Frankie-Vermarktung. So findet der kaufkräftige Fan auf der LP-Innenhülle einen Bestellzettel, um T-Shirts, Socken und Taschen im modischen Amacho-Look zu kaufen. Auf den Innenhüllen der LP wimmelt es nur so von Aussagen und Symbolen der Frankie-Philosophie: Das ist der Stoff, aus dem die Kassenfüller sind. Nun hat man auch die Computersoftware als lukrativen Markt entdeckt. Das Programm »Frankie goes to Hollywood« verspricht ein Verkaufs-Megahit zu werden. Hier stimmt nicht nur der Hintergrund; das Spiel selbst würde auch ohne den Frankie-Wirbel für einiges Aufsehen sorgen. Mit der Programmierung wurde das Team »Denton Designs« beauftragt, das vor kurzem mit dem Joystick-Adventure »Shadowfire« bereits ein erstklassiges Programm vorlegte.

Wie die LP ist das Spiel eine etwas verwirrende Mischung aus verschiedenen Elementen, die hervorragend in Szene gesetzt und zu einer abwechslungsreichen Komposition gemixt wurden. Damit man sich gleich in die richtige Frankie-Stimmung versetzen kann, liegt der Packung neben der Programm-noch eine Musik-Kassette bei, auf der sich eine bislang unveröffentlichte Live-Aufnahme von »Relax« befindet. Von diesem musikalischen Genuß gestärkt, macht man sich an das komplizierte Spiel heran.

Eines der zahlreichen »Spiele im Spiel«: An einem Monitor muß ein kniffliges Puzzle gelöst werden

Die Spiele im Spiel

Das große Ziel ist es, den Pleasure Dome zu erreichen. Dazu muß die Figur, die der Spieler steuert, 87000 Punkte erreichen, um so zu 99 Prozent eine vollwertige Persönlichkeit zu entwickeln. Punkte gibt es für das Lösen der über 60 Einzelaufgaben, die im Lauf des Spiels auftauchen.

Trotz totaler Joystick-Steuerung erinnert »Frankie« an ein Adventure. Beim Durchstreifen von Häusern findet man eine ganze Reihe von Gegenständen wie Videokassetten, Disketten, durstige Katzen, Heringe und ähnliche Kuriositäten. Für das Aufsammeln gibt es Punkte, doch man kann nie mehr als acht Gegenstände gleichzeitig tragen. Eine besondere Bedeutung haben die Videokassetten. Jedesmal, wenn man an einem Fernsehgerät vorbeikommt, kann ein Video eingelegt werden. Daraufhin erscheint ein Fenster, in das man die Spielfigur hineindirigiert. Nun beginnt ein eigenständiges Spiel im Spiel, wo man durch Geschick und Erfolg sein Punktekonto erhöhen kann. Es ist bemerkenswert, was die Programmierer alles in »Frankie* hineingepackt haben: Wir zählten zehn eigenständige »Spiele im Spiel«.

Doch damit ist die Vielfalt nicht am Ende. In einem Raum stolpert man plötzlich über eine Leiche: Der Hausbewohner wurde ermordet. Beim weiteren Herumlaufen werden ab und zu Hinweise über die Tatverdächtigen und den Mörder gegeben. Diese Tips notiert man sich am besten, denn später soll man den Mörder benennen. Auch diese Krimi-Einlage, die fast schon ein eigenes Spiel wert wäre, ist nur ein Teil des faszinierenden Programm-Puzzles von »Frankie goes to Hollywood«. Das höchste aller Gefühle, nämlich zu 99 Prozent eine richtige Person zu werden und den Pleasure Dome zu erreichen, haben wir nicht geschafft. Doch die Anleitung verspricht eine Reihe weiterer Spiele und Puzzles und schließlich den »Ultimate Screen«.

Ein bißchen von allem

»Frankie« ist eine faszinierende Mischung aus gut einem Dutzend verschiedener Spielelemente. Ohne Probieren und Erfahrungen sammeln kommt man nicht weiter. Die getestete C 64-Version bestach mit erstklassiger Grafik und Musik; mehr ist aus dem Computer bei einer derart komplexen Handlung nicht herauszuholen. Ein Spiel, das immer wieder mit neuen Elementen verblüfft und bei dem selbst nach einigen Stunden keinerlei Langeweile aufkommt. Auch die Motivation läßt angesichts der schweren Aufgabe, den Pleasure Dome zu erreichen, nicht zu wünschen übrig.

»Frankie« gehört zu den ungewöhnlichsten und aufregendsten Spielen dieses Jahres. Nach den Musikcharts tritt der Gruppen-Name der fünf Musiker aus Liverpool jetzt auch den Siegeszug in den Software-Hitlisten an. Eine Stellungnahme der »Frankie«-Musiker zum Spiel liegt noch nicht vor, doch eine bessere Verschmelzung von Rockgruppen-Image und Computerspiel kann man sich wirklich nur schwer vorstellen. (hl)

Beim Herumstöbern in Zimmern findet man die unterschiedlichsten Gegenstände. Richtig eingesetzt, ebnen sie den Weg zum Pleasure Dome.

Name: Frankie goes to Hollywood

Computer: C 64, Spectrum

Spieletyp: Action-Adventure

Preis: 39 Mark (Kassette), 59 Mark (Diskette)

Besonderes: inkl. Musikkassette, abwechslungsreich

Frankie-Wettbewerb: LPs und Programme zu gewinnen

Die Postkarten gezückt, denn es gibt was zu gewinnen! Ariola und Ocean Software stellten 20 Exemplare des Frankie goes to Hollywood-Doppelalbums »Welcome to the Pleasure Dome« und 20 Programmkassetten mit dem Computerspiel für den Commodore 64 für ein Preisausschreiben zur Verfügung. Um bei der Verlosung mitzumachen, müßt Ihr uns lediglich den Titel einer Frankie-Single nennen, was nach Lektüre dieses Artikels nicht allzu schwer fallen dürfte. Gebt außerdem bitte an, ob Ihr lieber eine LP oder das Programm für den C 64 gewinnen wollt.

Schickt Eure Karten bis zum 15. Oktober 1985 an die Redaktion Happy-Computer, Kennwort; Frankie, Hans-Pinsel-Str. 2, 8013 Haar bei München. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. (hl)


Heinrich Lenhardt


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