Take 1: Vorsicht Kamera!

Der Trickfilm aus dem Computer ist mit »Take 1« und Apple II oder C 64 kein Wunschdenken mehr.

Grafikprogramme gibt es wie Sand am Meer, doch Software, mit deren Hilfe man durch Grafik-Animation regelrechte Trickfilme »drehen« kann, haben Seltenheitswert. Das einzige Trickfilm-Programm für Heimcomputer war bisher »Movie Maker« für Apple II, Atari 400/800/600XL/800XL und C 64. Die neue Alternative heißt »Take 1«, kostet zirka 200 Mark und dürfte dem etablierten »Movie Maker« starke Konkurrenz machen. Die Leistungsfähigkeit beider Programme ist ungefähr gleich, doch Take 1 schlägt den Konkurrenten trotzdem in mehreren Punkten: Die Bedienung ist einfacher und die Grafiken wirken wesentlich schöner. Das liegt daran, daß der Movie Maker auf dem Atari entwickelt wurde und die Autoren des Programms einen geringer auflösenden Modus gewählt haben. Take 1 dagegen nutzt die volle Grafikauflösung des Apple II und C 64 aus.

Die Bedienung von Take 1 ist eigentlich ein Kinderspiel; alle wichtigen Punkte sind durch eine übersichtliche Menütechnik ansteuerbar. Man schiebt einfach mit den Cursortasten den Auswahlbalken auf und ab und drückt beim gewünschten Punkt RETURN. Wenn bereits eine Grafik auf dem Bildschirm zu sehen ist, werden die möglichen Befehle in einem Textfenster am unteren Rand des Bildschirms angezeigt und durch Drücken des Anfangsbuchstabens des Befehls ausgeführt. Für Notfälle gibt es die »Help-Screens«, auf denen die einzelnen Befehle erklärt werden.

Wer sich dann immer noch nicht zurechtfindet, dem sei die gelungene englische Anleitung empfohlen. Das Handbuch gibt über jedes Detail großzügig Auskunft und ist verständlich geschrieben. Auch das Entstehen eines ganzen Filmes aus einzelnen Bildern wird ausführlich erläutert. Hier kann also wirklich nichts schiefgehen.

Take 1 bietet zahlreiche Funktionen, die gezielt in Unterprogramme aufgeteilt wurden, so daß der Computerstreifen wie im echten Film-Genre entsteht. Die einzelnen Unterprogramme sind:

Mit »Pictures & Backgrounds« entwickelt man Hintergrundgrafiken und Teilhintergründe. Das Aufbauen des Einzelbilds geschieht mit Hilfen wie »Colorfill« und einem »Zoom-Pixel-Editor«. Wer allerdings wirklich schöne Grafiken auf den Bildschirm zaubern will, ist mit diesem Editor nicht sonderlich gut bedient. Es ist aber möglich, Grafiken zu übernehmen, die mit dem Malprogramm »Blazing Paddies« entworfen wurden. Hat man beide Programme, so ergibt sich daraus ein optimales Grafik-Programmpaket. Zusätzlich ist Take 1 mit gewöhnlichen Applesoft-Shape-Tables und den »Shape & Font Libraries« für »Blazing Paddies« kompatibel. Das Unterprogramm »Actors & Actions« erlaubt es nun, einzelne Shapes zu bauen und deren Bewegungen zu definieren. Die Größe der einzelnen Shapes ist dabei völlig unabhängig und nicht wie etwa beim Atari auf eine bestimmte Byte-Anzahl pro Player Missile oder wie beim Commodore auf eine Sprite-Matrix von maximal 24 x 21 Punkten beschränkt.

Take 1 auf einen Blick

— Extrem bedienerfreundlich — Anschaulich geschriebene ausführliche englische Anleitung — Bis zu fünf Overlay-Ebenen für Grafik (Tiefeneffekt) — Größe und Zahl der Shapes beliebig wählbar, nur in der Gesamtheit vom Restspeicherplatz abhängig — Hintergrundgrafiken (Hires), Teilbildschirme und Shapes anderer Programme können übernommen werden — Gleichzeitige Animation verschiedener Objekte auf dem Bildschirm, einzeln manipulierbar und anschließend synchronisierbar — Volle Kontrolle über alle Färb- und Hires-Fähigkeiten — Verarbeitungsgeschwindigkeit sehr hoch, trotzdem kein Flimmern auf dem Bildschirm

Alle Testerfahrungen wurden mit der Apple II-Version gemacht.

Die C 64-Version lag zu Redaktionsschluß noch nicht vor, soll aber identisch sein.

Auf Farbe muß nicht verzichtet werden

Schnell und flackerfrei

Der »Scene Editor« ist das Herzstück des Programms: Mit ihm kann man Szenen Bild für Bild aufbauen, also Einzelbilder-Reihenfolgen definieren und die mit »Actors & Actions« definierten Bewegungen zu einzelnen Filmszenen ausarbeiten. Der »Movie Editor« entspricht dem endgültigen Zusammenschneiden des Films; Szenen werden aneinandergereiht und mit Hintergrundbildern kombiniert. Um zwei gleichzeitige Bewegungsabläufe, die vorher einzeln definiert wurden, aufeinander abzustimmen, gibt es die »Snapshot-Sync«-Funktion.

Ist das Endergebnis im Kasten, das heißt auf Floppy abgespeichert, kann man sich den Film mit dem »Movie Projector« ansehen. Der Trickfilm läuft entweder nur einmal ab oder als »Continuous Rerun« (Endlosfilm) immer wieder von neuem. Eine Anregung für Schaufensterdemos und ähnliche Zwecke.

Fünf Ebenen bringen Tiefe in den Raum

Ganz ohne Diskettenoperationen geht es natürlich nicht. Aus diesem Grunde wurde auch ein Unterprogramm mit »Disk Utilities« in Take 1 eingebaut, das nützliche Befehle wie »Catalog«, »Copy«, »Rename«, »Format« etc. bietet.

Wenn man bedenkt, daß der Apple keinerlei Hardwaresprites besitzt, ist es um so erstaunlicher, was die Programmierer von Take 1 zustandebrachten. Die HiRes-Animation ist schnell, die Bewegung stufenlos und das Bild völlig flimmerfrei. Für die Shapes gibt es vier eigenständige Bildebenen. Den Hintergrund mitgezählt, hat man also eine Bildtiefe von fünf Ebenen; 3D-Effekte sind somit kein Problem. Die beiden Demos zeigen längst nicht alles, was man aus diesem Programm herausholen kann.

Einige Schönheitsfehler seien aber nicht verschwiegen: Pro Szene kann man für Texteingaben nur einen einzigen Zeichensatz verwenden. Das läßt sich aber leicht aus-gleichen, indem man das Malprogramm »Blazing Paddies« dazu verwendet, Schriften in eine Hintergrundgrafik zu setzen. Manko Nummer zwei ist der nicht gerade komfortable Bildeditor, der vielleicht sogar die Absicht der Herstellerfirma verrät, dem Take-l-Käufer auch gleich das dazu passende Malprogramm zu verkaufen. Kritikpunkt Nummer drei: Das Einbauen der »Movies« in eigene Programme erfordert Programmierkenntnisse — auch in Maschinensprache. Um Otto Normalverbraucher zu helfen, bietet der Hersteller — natürlich auch zum Extra-Preis — ein »Programmen Toolkit« an. Insgesamt betrachtet ist Take 1 dennoch das zur Zeit beste Animationsprogramm für den Heimcomputerbereich. Hat man das nötige Geld und kauft man sich alle angebotenen Zusätze wie »Animation Library«, »Programmen Toolkit«, Malprogramm »Blazing Paddies« und »Shape-Libraries«, besitzt man das optimale Grafik- und Animationspaket für Apple II und C 64. (M. Kohlen/hl)

Schritt für Schritt zum Zeichentrick


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