Supercomputer Atari 520ST: Heißer Hit mit 32 Bit

Ein Bombenknüller ist Ataris neuer Spitzen-Computer 520 ST. Mit 16/32-Bit-CPU, 512 KByte RAM, farbiger Mac-ähnlicher Bedienerführung, Maus und einem 500-KByte-Diskettenlaufwerk kostet er knapp 2800 Mark. Wir testeten einen Prototyp.

»Leben in die Bude bringen«, werde er, versprach Jack Tramiel vor einem knappen Jahr in Frankfurt. Nun — dies ist ihm mit dem 520 ST gelungen. Obwohl zunächst niemand so recht an seine Pläne glaubte, bescherte er Atari mit diesem Computer ein Produkt feinster und modernster Technik, das den Konkurrenten heftige Magenschmerzen bereiten wird.

Exquisite Technik für wenig Geld

Auch seine Ankündigung, -»das Beste zum niedrigsten Preis« zu bieten, scheint er wahr zu machen. Unter 2800 Mark soll ein System aus 520 ST mit Maus und 3,5-Zoll-Floppystation mit 500 KByte kosten.

Dazu kommt die Ausstattung des 520 ST mit der 16/32-Bit-CPU 68000 von Motorola, von der viele in der Branche behaupten, sie repräsentiere den derzeit höchsten Entwicklungsstand. Schon länger verrichtet dieser Mikroprozessor seine Arbeit in Apples Macintosh.

Mit diesem hat der 520 ST aber noch etwas anderes gemeinsam: die neuartige Bedienerführung durch selbsterklärende symbolische Abbildungen, sogenannte »Icons«, und »Pulldown Menüs«, die von der oberen Bildkante bei Bedarf wie ein Rollo nach unten gezogen werden. Ihr Vorteil liegt darin, daß sie nur bei Bedarf Platz beanspruchen, aber dennoch jederzeit ohne Nachladen zur Verfügung stehen.

Trotz der verblüffenden Ähnlichkeit dieses Konzepts mit dem des Macintosh handelt es sich bei GEM um ein neues Softwareprodukt von Digital Research. Uns stand für den Test die Version 2.90 zur Verfügung.

Im Test meldete sich nach dem Einschalten des Computers GEM mit einem umrahmten, grünen Bildschirm. In der obersten Bildschirmzeile standen englische Menünamen (»Desk«, »File«, »View« und »Options«). Am rechten Bildschirmrand waren Disketten und ein »Abfalleimer« in Symbolform abgebildet. In der Mitte des Bildschirms erschien ein nach links oben deutender pfeilförmiger Cursor, der mit der Maus belegt werden konnte.

Kurz auf das Diskettensymbol gefahren, eine Maustaste gedrückt und das Diskettensymbol färbte sich schwarz. Als wir nun den Pfeil auf das Wort »File« steuerten und damit das entsprechende Pulldown-Menü aufzogen, konnten wir unter mehreren Menüpunkten wählen, darunter »Open«. Jetzt reichte das erneute Antippen einer Maustaste, und aus dem Diskettensymbol entfaltete sich ein »Arbeitsblatt«, etwa halb so groß wie der restliche Bildschirm, mit Pictogrammen (kleine stilisierte Bilder) von Aktenordnern. Jedes Pictogramm war mit einem Dateinamen auf der Diskette gekennzeichnet.

Fuhr man nun mit dem Pfeil auf einen dieser Ordner und betätigte man nochmals eine Maustaste, wurde dieses Symbol schwarz, Nach Aufziehen des Pulldown-Menüs »File« konnten wir die Datei öffnen, löschen, kopieren und so weiter.

Unabhängig von der eingelegten Diskette sind in GEM einige Utilities eingebaut, die man durch Aufziehen des Menüs »Desk« aktiviert; darunter auch ein grafisch nett gestalteter Taschenrechner, mit dem man richtig rechnen kann, Dazu »klickt« man mit der Maus einfach die gewünschten Zahlen an, die daraufhin im Sichtfenster erscheinen, geht dann mit dem Pfeilcursor auf die Plusoder Minus-Taste und bekommt so das Ergebnis. Eine Digitaluhr ist ein werteres Utility, das in ähnlicher Weise aufgerufen und gestellt wird. Beide können jederzeit jedem Arbeitsblatt beliebig überlagert und jeweils dorthin verschoben werden wo sie dem Anwender am genehmsten sind.

In den eingebauten 196 KByte ROM sind in der Serienversion neben GEM (das nur 82 KByte benötigt) noch TOS (»Tramiel Operating System«), Personal Basic (eine modifizierte MBasic-Version) und Dr. Logo untergebracht. Die fest im ROM eingebaute Software hat den Vorteil, daß sie nach einem Kaltstart nicht erst von Diskette oder Festplatte geladen werden muß

Das Betriebssystem TOS ist eine Mischung aus MS-DOS (gleiche Eintrittsadressen) und abgespeckter CP/M-68K-Version, die weitgehend dem kommerziellen CP/M gleicht, Dadurch kann eine große Zahl bestehender Software leicht angepaßt werden. Ganz ist damit die Hürde, den Anwendern ausreichend Software bieten zu müssen, allerdings noch nicht bewältigt. Angepaßte, herkömmliche Programme nützen nur einen Bruchteil der Fähigkeiten des 520 ST. Zum Beispiel erlaubt die Hardware des 520 ST sogenanntes »Multitasking«. Das heißt: Es können gleichzeitig mehrere Programme quasiparallel ablaufen.

Softwareversorgung von Rang und Namen

Wichtig für den Erfolg der Maschine im Wettbewerb mit den Konkurrenten sind aber Programme, die alle Möglichkeiten ausreizen. Jack Tramiel hat dieses Problem erkannt. Bereits seit November letzten Jahres ist er in Europa und in den USA mit Software-Häusern in Kontakt. In den USA haben sich, laut dem technischen Leiter Las Player, bereits zirka 100 Firmen dazu bereit erklärt, Software für den 520 ST zu entwickeln. So sind derzeit Textverarbeitungs-, Tabellenkalkulations-und Dateiverwaltungsprogramme in Arbeit. Auf der Hannover-Messe sahen wir zum Beispiel die Demoversion eines 1-2-3-kompatiblen Spreadsheet-Programms und eine lauffähige Version von Forth, Auch ein C-Software-Fntwicklungspaket mit Compiler, Editor und Library existiert. Die meiste Software wird in den USA preislich bei 50 Dollar liegen. LISP und Prolog sind übrigens ebenfalls schon im Gespräch. Aber auch Spiele sollen nicht fehlen. Sublogic wird bis Ende Oktober mit einer Version ihres bekannten »Flight Simulator II« sowie einer verbesserten Version »Jet« auf den Markt kommen. Bedauerlicherweise nutzt keines der beiden Produkte die Fähigkeit von GEM. Übrigens: Auch Adventure-Freunde werden nicht zu kurz kommen, Infocom versprach, das gesamte Adventure-Angebot an den 520 ST anzupassen.

Ein weiteres Software-Produkt ist auch für die Besitzer des Atari 800 und 800 XL interessant. Es heißt »Infinity« und ist ein Programmpaket, das Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, eine Datenbank und ein DFÜ-Programm beinhaltet. In der angekündigten ST-Version sollen die GEM-Fähigkeiten voll eingesetzt werden.

Rundum propere Hardware

Der ausgezeichneten Bedienerfreundlichkeit durch GEM und der hohen Bildqualität entspricht auch die Gestaltung und Ausführung der Hardware.

Schon auf den ersten Blick Erfreuliches: Die Tastatur macht einen wirklich professionellen Eindruck. Eine zusätzliche, abgesetzte Zehnertastatur trägt ganz erheblich dazu bei. Die alphanumerische Tastatur besteht aus Hubtasten, mit denen es sich so angenehm wie mit einer Schreibmaschine schreibt. Der Anschlag ist sehr leicht. Unser Testgerät hatte noch eine amerikanische Tastenanordnung. Es soll aber bald eine deutsche Tastatur geben.

An der linken Gehauseseite befindet sich ein Anschluß, der die Aufrüstung mit zusätzlichem ROM auf insgesamt 320 KByte ROM-Kapazität gestattet, Hier können Module mit maximal 128 KByte Programmumfang angesteckt werden, Welche Software in dieser Form angeboten werden wird, ist derzeit noch nicht entschieden. Die herkömmlichen Atari-Module passen nicht.

An der gegenüberliegenden Seite der Konsole findet man zwei. dem Atari-Standard entsprechende Joystick-Buchsen vor. Die linke ist zusätzlich für den Anschluß einer Maus konzipiert.

Die Rückseite der zirka 47 Zentimeter langen Konsole bietet ein breites Spektrum an Anschlüssen und einen Ein/Aus-Schalter. Die Anschlüsse dienen der Stromversorgung, der Ankopplung von Disketten- und Festplattenlaufwerken, eines Monitors oder Fernsehgeräts. Außerdem gibt es eine Centronics-und RS232-Schnittstelle (50 bis 19 200 Baud). Ein Anschluß für Kassettenrecorder fehlt allerdings, wäre aber für einen Computer dieser Klasse auch wenig sinnvoll. Die serielle und parallele Schnittstelle entsprechen der Norm und können Drucker ebenso wie Modems ansteuern. Die Atari-1050- oder 810-Laufwerke passen übrigens nicht an den 520 ST. Dafür bietet Atari unter anderem je ein 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk mit 500 KByte und mit 1 MByte an. Wir konnten beide in Vorversionen testen. Die Laufwerke arbeiteten schnell und relativ geräuscharm. Durch das kleine Diskettenformat sind auch die Laufwerke (standalone-Geräte) recht kompakt ausgefallen. Außerdem kann man ein CD-ROM-Laufwerk von Atari anschließen, So ein CD-ROM ist praktisch identisch mit den bekannten CD-Musikplatten, die mit einem Laser abgetastet werden. So eine CD vermag 600 MByte an Daten aufzunehmen, das sind rund 600 Millionen Zeichen oder 150000 Seiten Text. Atari liefert als erstes CD-ROM eine Platte mit dem kompletten Brockhaus. In diesem elektronischen Lexikon der Superlative kann man wie in jeder Datenbank nach verschiedenen Kriterien suchen, bis man die gewünschte Information gefunden hat. Das Laufwerk gleicht weitgehend einem CD-Audio-Plattenspieler und kostet nur rund 1500 Mark.

Als Sichtgerät kann man wahlweise Fernsehgeräte oder Monitore verwenden. Für Fernsehgeräte ist eine Cinch-Buchse und für Monitore eine weitere, ebenfalls runde Buchse vorgesehen. Bei der deutschen Version wird man noch einen Schalter vorfinden, mit dem man zwischen Kanal 2 und 3 wählen kann, falls es zu Überschneidungen mit Fernsehsendern kommt. Der Monitorausgang weist eine Besonderheit auf: Mit einem zusätzlichen Kontakt am Verbindungskanal kann der Computer erkennen, ob ein RGB-oder Composite-Video-Monitor angeschlossen ist. Wegen des damit verbundenen unterschiedlichen Auflösungsgrads des Monitors wählt der 520 ST automatisch die entsprechende Grafikstufe.

Als besonderer Leckerbissen für Musikfreunde ist im 520 ST standardmäßig ein Midi-Interface eingebaut. Midi ist die Abkürzung für »Musical Instrument Digital Interface*. Die Aufgabe des Midi-Interfaces ist — vereinfacht ausgedrückt — die Vernetzung Midi-fähiger Musikinstrumente und digitaler Steuereinheiten über den Midi-Bus. Über ihn können dann die Instrumente Daten austauschen, Zum Beispiel kann beim angeschlossenen Computer von den vernetzten Instrumenten abgefragt werden, welche Sequenzen und Klangmuster als nächstes zu spielen sind. Man benötigt also im Computer sowohl einen Ein- wie auch einen Ausgang. Der 520 ST verfügt über beides.

Der Midi-Anschluß kann aber auch als Netswerk-Interface für beliebigen Datenaustausch zwischen mehreren 520 STs verwendet werden. Der Datentransfer läuft immerhin mit 31250 Baud ab, so daß ein echtes Netzwerk entsteht.

Damit aber nicht genug. Selbstverständlich kann der neue Atari auch selbst Töne erzeugen, Hierfür stehen drei Tonkanäle zur Verfügung, die vollkommen unabhängig voneinander angesteuert werden. Der Frequenzbereich liegt zwischen 30 Hertz und 125 Kilohertz. Außerdem ist ein Geräuschgenerator eingebaut.

Das Netzteil ist wieder als »Anhängsel« extern anzuschließen, Technisch gesehen bietet dies jedoch den Voneil, daß die vom Netztrafo ausgestrahlte Wärme und seine Magnetfelder die empfindlicher: Bauteile nicht beeinflussen.

Im Inneren des Gehäuses sticht die 68000-CPU als der größte Chip sofort ins Auge, Rechts unten auf der Platine sind die RAM-Chips angeordnet, 16 der modernsten 256-KBit-Version, die insgesamt eine Speicherkapazität von 512 KByte bieten. Auf der Platine sind weiterhin noch der Disketten- und Festplatten-Controller untergebracht Maximal kennen gleichzeitig zwei Diskettenlaufwerke und eine Festplatte betrieben werden. Bemerkenswert ist die sehr hohe Übertragungsgeschwindigkeit von 1,3 Megabyte (über 10000000 Bit) pro Sekunde zwischen Festplatte und Computer. Ein DMA-Chip sorgt für die hohe Geschwindigkeit und dafür, daß die CPU bei Ladevorgängen nicht beansprucht wird.

Die technischen Daten des Atari 520 ST auf einen Blick

Hauptprozessor: 16/32-Bit-CPU Motorola 68000 (verarbeitet intern 33 Bit)
Daten-Leitungen: 16-Bit-Datenbus und 24-Bit-Adreßbus
Grafik: 3 Grafik-Modi, 320 x 200 Punkte mit 16 Farben. 640 x 200 Punkte
mit 4 Farben und 640 x 400 Punkte einfarbig, insgesamt sind allerdings 512 Farbabstufungen möglich
RAM-Speicher: 512 KByte
ROM-Speicher: 192 KByte eingebaut, insgesamt 320 KByte inklusiv externem Modul
Sound: 3 Kanäle und ein Rauschgenerator.
Schnittstellen:Centronics (parallel), RS232 (seriell), Disketten- und Festplatten-Controller eingebaut, 2 Standard-Atari-Joystick-Ports, wovon einer für Mausbetrieb ausgelegt ist, Midi-Ein- und Ausgang.
Betriebssystem: TOS mit GEM
Programmiersprachen: Personal Basic und Dr. Logo eingebaut

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Farbmonitor mit eingebautem 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk

Eine solche DMA besaßen bisher noch nicht einmal normale Personal Computer, Diese Art des direkten Speicherzugriffs war eine Domäne der Minicomputer.

Für die Bildschirmausgabe sorgt ein weiterer Schaltkreis. Es unterstützt die Ausgabe auf Fernsehgeräten sowie auf RGB- und Composite-Video-Monitoren, Alle Farbschattierungen mitgezählt, bringt es der 520 ST auf ganze 512 Farben. Davon 16 Vollfarben. Allerdings ist dann die Auflösung auf 320 x 200 Punkte beschränkt. Bei vier Vollfarben beträgt die Auflösung 640 x 200 Punkte, bei einfarbiger Darstellung sogar 640 x 400 Punkte. Für entsprechende Monitore hat Atari gesorgt, Ein 12-Zoll-RGB-Monitor mit der Typenbezeichnung SC1224 erlaubt eine farbige Wiedergabe und der Monochrom-Bildschirm SM124 eignet sich für die einfarbige, besonders hochauflösende Wiedergabe.

520 ST: ein echter Allround-Computer

Brandneu ist eine Kombination eines Farbmonitors mit einem eingebauten 360-KByte-Diskettenlaufwerk. Preis und endgültige Typenbezeichnung waren zum Testzeitpunkt noch nicht bekannt.

Atari kann also mit dem 520 ST nicht nur einen neuen Computer vorweisen, sondern auch gleich eine ganze Reihe von anspruchsvollen Peripherie-Geräten. So darf man hoffen, daß man wahrscheinlich nicht lange auf passende Diskettenlaufwerke, Monitore oder Drucker zu warten braucht, sobald die Geräte im Handel erhältlich sind.

Die Einordnung des 520 ST ist etwas schwierig. Technisch und leistungsmäßig besteht kein Zweifel: Der 520 ST überflügelt dreimal so teure Personal Computer mit Leichtigkeit. Andererseits ist er mit seinem niedrigen Preis auch für Heimanwendungen interessant.

Eines läßt sich mit Sicherheit sagen: Vom Preis-Leistungsverhältnis her betrachtet stellt der 520 ST ein absolutes Novum dar, eine »Volks-VAX«, dessen Wirkung ein Erdrutsch auf dem Hardwaremarkt im Business- und Heimbereich gleichzeitig sein wird.

RAM-Kapazität von über 500 KByte, leistungsfähige 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerke und nicht zuletzt erschwingliche Festplattenlaufwerke sind sowohl für den Heimanwender wie auch für selbständige und freiberufliche Profianwender keine unerfüllbaren Träume mehr. So kann man den 320 ST wohl am besten einen Allround-Computer nennen Genau in diese Richtung interpretierte Jack Trarniel ja auch den Begriff »Personal Computer«, als er im Herbst sagte, das bedeute für ihn »jeder Person einen eigener. Computer«, unabhängig davon, was sie mit ihm machen will. (wb/lg)

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GEM, ein Juwel für Komfort

GEM (»Graphics Environment Manager«) von Digital Research ist weder Betriebssystem noch Anwenderprogramm im herkömmlichen Sinn, sondern eine »grafische Anwenderschnittstelle«. Es liegt zwischen dem Betriebssystem und. der Anwendersoftware, so daß der Benutzer mit dem Betriebssystem nicht mehr in Berührung kommt. Statt dessen präsentiert ihm GEM einen Bildschirm mit stilisierten Symbolen, sogenannten Piktogrammen, Pull-down-Menüs und Windows.

Die leicht begreifbaren Piktogramms stehen für ganze Systembefehle. Cursor darüber steuern, Knopf drücken und ein ganzer Befehl wird ohne mühsames Eintippen ausgeführt.

Allerdings: Um GEM vollständig nutzen zu können, ist eine Maus oder ein Lichtgriffel nötig, auch wenn im Prinzip eine Steuerung über die Tastatur möglich ist Alternativ kann ein Joystick. Trackball oder eine Spracheingabeeinheit verwendet werden.

Genaugenommen besteht GEM aus drei Komponenten: Erstens aus dem eigentlichen Benutzer-Interface, an das ein angepaßtes Anwenderprogramm und Binderoutinen anschließen.

Es besteht zweitens aus einer virtuellen Standardisierten Hardware (»Virtual Device Interface«, kurz VDI), auf die vom Programmierer Programme aufgesetzt werden. Durch die virtuelle Hardware werden Programme von der tatsächlichen Kardware weitgehend unabhängig und leicht zwischen verschiedenen Computertypen übertragbar. Damit ist der potentielle Markt für Programme unter GEM erheblich großer als unter irgendeinem normalen Betriebssystem ohne GEM.

Dritte Komponente: Das AES (Application Environment Services). Dieses AES handhab! Eingaben, ist für den Aufbau der Pull-down-Menüs zuständig und viele andere Aufgaben; ein softiges Mädchen für alles sozusagen.

Unter GEM laufen auch Programme, die nicht extra angepaßt wurden. In diesen Fällen macht GEM dem Programm Platz, das dann unter den gewohnten Betriebssystem abzulaufen beginnt. Nach Programmende tritt GEM wieder in Aktion, so daß dem Anwender zumindest der Kontakt mit dem Betriebssystem erspart bleibt.

Auf der Hannover-Messe war bereits eine GEM-Version des Volkswriters (GEM-Write) von Lifetree zu sehen, sowie ein GEM-Paint von ABC. Der GEM-Write ähnelt sehr dem MacWrite, ebenso wie GEM-Paint dem Macpaint entspricht, aber in Farbe.

Von Digital Research selbst gibt es bereits ein Programmer’s Toolkit für Softwareentwickler mit Icon-Editor und symbolischem Debugger. GEM Desktop, GEM Wordchart. GEM Draw und GEM Presentation Master.

GEM Desktop ist eine An Generalmenü-Programm und jener Teil von GEM, mit dem der Anwender am häufigsten in Berührung kommen wird, GEM Desktop tritt nämlich immer dann in Aktion, wenn ohne GEM das Betriebssystem seine Prompts auf dem Schirm ausgibt. Es ist für die niedlichen kleinen Diskettensymbole und den Abfalleimer verantwortlich, Grundgedanke ist die Simulation eines Schreibtisches (deshalb »Desktop«), auf dem Akten aufgeklappt und gelesen werden, ein Taschenrechner bereit liegt, eine Uhr steht und so weiter,

Für den Atari 520 ST wird vorerst das Malprogramm GEM-Paint zur Verfügung stehen, das farbige Pendant zu Macpaint von Apple. Mit ihm macht das Zeichnen wegen der Farben aber noch mehr Spaß.

In Gegensatz zum geschlossenen Konzept des Macintosh (typische Mac-Software läuft nur auf dem Macintosh) kann GEM auf Computern mit völlig verschiedenen CPUs eingesetzt werden, vorausgesetzt sie arbeiten mit 16 oder 32 Bit. Deshalb gibt es eine Version für den Atari 520 ST mit der 68000-CPU ebenso wie für den IBM-PC mit dem 8088 und Olivettis M24 mit dem 8086. Selbst beim Betriebssystem ist GEM flexibel. Es akzeptiert Concurrent-DOS genauso wie MS-DOS. Für die Chancen am Markt dürfte das ein gewichtiges Argument sein. John Rowley, Präsident vor Digital Research, erwartet deshalb, daß Ende 1986 GEM auf über einer Million Computer installiert sein wird.

Ob Digital Research mit GEM ein ähnlich legendärer Erfolg beschieden ist wie mit CP/M, bleibt dennoch abzuwarten. Die Idee liegt zumindest voll im Trend. Gemeinsame Wurzel für beide ist die »Smalltalk«-Technologie vor. Xerox. Mir scheint, der Markt reicht für beide zum »big business«. (lg)


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