»D-Bug«: Fehler im System

»D-Bug« ist ein ungewöhnliches Lernspiel, das Sie ins Innere eines Computers versetzt. Die sehr gute Grafik und der hohe Spielwitz machen dieses Programm für C 64, Atari und Apple II zum Vergnügen mit Bildungseffekt.

Es beginnt wie ein Märchen: In einem Computer existieren Lebewesen, die am liebsten »Gotcha!« spielen, ein Spiel, bei dem Punkte angehäuft werden, indem man mit einem Fänger entweder Schmetterlinge oder Segelboote sammeln muß. Wer am Ende die wenigsten gegnerischen Steine nehmen mußte, hat gewonnen. Dieser unterhaltsamen Tätigkeit würden sie uneingeschränkt frönen, wenn da nicht die »Bugs« wären. Urplötzlich schleicht sich ein Fehler im System ein und der Computer tut das, was alle kaputten Maschinen machen: er streikt.

Natürlich können sich die Computerwesen das nicht gefallen lassen, denn Spielen ist immerhin ihr Lebensinhalt. Sie versuchen den Fehler zur reparieren, indem ganze Teile ausgewechselt werden. Ein Hauptproblem liegt darin, den Fehler im undurchsichtigen Dschungel des Computers zu finden. Sie, der joystickgewappnete Spieler, schlüpfen in die Rolle eines Computermännleins und wursteln sich durch die elektronischen Innereien, um dem Fehler den Garaus zu machen. Zu Beginn von »D-Bug« spielen Sie zunächst eine Runde »Gotcha!« und das wahrscheinlich mit steigender Begeisterung, denn dieses »Spiel im Spiel« macht Spaß. Aber die Spielleidenschaft wird jäh unterbrochen, denn wieder hat sich ein »Bug« eingeschlichen. Nun ist es die Aufgabe des menschlichen Spielers, den Fehler zu finden und zu beheben.

Zunächst findet man sich vor einer schematischen Abbildung der Computerplatine wieder, in der die einzelnen Computerteile vom Speicher bis zur CPU vereinfacht dargestellt sind. Die einzelnen Teile können kaputt oder überhitzt, Sicherungen durchgebrannt oder Kabel locker sein.

»Transients« — Bissige Elektronik-Biester

Erschwert wird die Reparatur durch kleine elektronische Biester, die »Transients« genannt werden. »Transients«, ein weiterer Fachausdruck aus der Computertechnik, bezeichnet sehr kurzzeitige, hohe Spannungsspitzen. Sie entstehen durch Stromschwankungen und haben nichts besseres zu tun, als den Spieler zu verfolgen. Fangen sie ihn, so wird er statisch aufgeladen. Welche unangenehme Auswirkungen statische Aufladung auf elektronische Bausteine haben, lernt der Spieler spätestens dann, wenn er den nächsten Chip berührt. Die statische Ladung kann man nur loswerden, wenn man zum Netzteil geht und dort den Schutzleiter berührt, damit die Ladung abfließen kann.

Ist der Fehler eingekreist, muß natürlich ein Ersatzteil besorgt werden. Dafür gibt es am unteren Bildschirmrand »Charlie Fixit’s Store«, einen Ersatzteil-Supermarkt. Dort führt man alle Einzelteile, die mit Spielpunkten bezahlt werden. Nach erfolgreichem Austausch ist der »Bug« beseitigt und das »Gotcha!«-Spiel kann weitergehen.

Obwohl der spielerische Aspekt überwiegt, ist der Lerneffekt bei »D-Bug« beträchtlich. Vor allem wird man mit den Innereien eines Computers vertraut gemacht, was auch für Erwachsene recht interessant ist. Außerdem wird wie beim Brettspiel Memory die Kombinationsgabe und das Gedächtnis trainiert.

Selbst älteren Spielern wird es gar nicht so leicht fallen, auf Anhieb das richtige Bauteil für jeden Fehler auszusuchen. Fünf verschiedene Schwierigkeitsstufen stehen zur Verfügung. Nicht zu vergessen ist der Lern- und Unterhaltungswert von »Gotcha!«, das durch entsprechende Wahl zu Beginn des Programms auch ohne ständige Unterbrechung gespielt werden kann.

»D-Bug« ist eines der wenigen Lernspiele, die wirklich Spaß machen, und auch ohne gute Englischkenntnisse zu bewältigen sind.
Mit 99 Mark ist die Diskette nicht ganz billig, überzeugt aber durch seine Originalität und seine professionelle Programmierung. Wenn kleinere Kinder auf Fehlersuche gehen, sollten die Eltern beim ersten Spiel mit Rat und Tat zur Seite stehen.

(Arnd Wängler/hl)


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