Bit-90: Ein Einsteiger aus Taiwan

Der Bit-90 ist ein echter Heimcomputer und kostet knapp 600 Mark.

Die Tasten des Bit-90 bestehen aus einem Gummimaterial, das in letzter Zeit immer häufiger bei den Heimcomputern der unteren Preisklasse anzutreffen ist. Kein Mensch wird auf die Idee kommen, sich mit dieser elastischen Tastatur an Büroarbeiten heranzuwagen. Allerdings muß man der Bit-90-Tastatur zugestehen, daß sie quasi-schreibmaschinen-gerecht angelegt ist. Das trifft auf die Größe der Tasten und ihre Abstände zu. Positiv zu bewerten sind die vier im Block angeordneten Cursortasten. Weiter stehen zwei SHIFT-Tasten zur Verfügung. Zwei weitere Tasten dienen zum Einfügen und Löschen von Zeichen.

Eine spezielle Basic-SHIFT-Taste bewirkt, daß der über einer Taste stehende Basic-Befehl mit einem Tastendruck übermittelt wird. Dabei wurde darauf geachtet, daß die Befehle möglichst über der Buchstabentaste stehen, die mit dem gleichen Anfangsbuchstaben beginnt. Natürlich akzeptiert der Bit-90 auch ausgeschriebene Befehle.

Der metallische Glanz täuscht: Das Gehäuse des Bit-90 ist aus Kunststoff

Der Bit-90 besitzt drei Anschlüsse, die das Gerät auch als Telespiel nutzen lassen. So kann man zwei Joysticks anschließen, und Spielkassetten von CBS und Coleco an dem dafür angelegten Port benutzen. Das Gerät verfügt über ein Kassettenrecorderinterface, zum Speichern und Laden eigener Programme. Eine Videobuchse erlaubt, Monitore anzuschließen. An den Fernsehadapter können Antenne und Computer angeschlossen und per Schalter wahlweise angesteuert werden.

Der Bit-90 wird mit einem ausführlichen Handbuch in deutscher Sprache geliefert, das jeden Basic-Befehl oder jedes System-Kommando verständlich und ausführlich erklärt. Oft zeigt es anhand von kurzen Beispielprogrammen die Anwendung des erläuterten Befehls. Es ist so gegliedert, daß der Anfänger von einfachen Anwendungen bis hin zu grafischer Darstellung und Musikerzeugung geführt wird.

Basic mit RENUMBER-Routine

Der Bit-90 hat ein Basic, das normalen Ansprüchen an einen Computer genügt. Es bietet sogar Erweiterungen, die man auf den ersten Blick nicht vermutet. Die RENUMBER-Routine erlaubt es, gespeicherte Programme neu zu numerieren. So schafft man zwischen zwei Programmzeilen Platz. Man kann diese Routine auch dazu verwenden, zwei Programme zu einem neuen Programm aneinander zu fügen.

Eine weitere Hilfe bietet die Funktion AUTO. Wer keine Lust hat, vor jeder Programmzeile selbst die Zeilennummer einzutippen, kann das von AUTO erledigen lassen. Dabei können Anfang und Schrittweite vorgewählt werden. Überraschend ist die Implementierung der IF-THEN-Struktur, die durch die Verzweigungsmöglichkeit ELSE erweitert wurde. Der Unterschied besteht darin, ob man dem Computer nur sagen kann: Wenn ein »A« eingegeben wurde, dann tue dies, oder ob er versteht: Wenn ein »A« eingegeben wurde, dann tue dies, wenn nicht, dann etwas anderes. Diese Struktur wird häufig in höheren Sprachen wie Pascal verwendet.

Weniger erfreulich sind die arithmetischen Funktionen und Zahlendarstellung. Seine Rechengenauigkeit reicht bei Dezimalbrüchen gerade für maximal vier Stellen hinter dem Komma, und Zahlen können nur bis zu einer Größe von 5,5 x 1018 dargestellt werden. Das ist ein Bereich, den man schnell gesprengt hat. Ein Test der Sinus-Funktion lieferte bei kleinen Werten, das heißt kleiner als 1, nicht nur ungenaue, sondern schlicht falsche Ergebnisse. Zum Rechnen ist deshalb ein herkömmlicher Taschenrechner besser.

Zum Abfragen von Joysticks bietet das System ein einfaches Kommando, um die jeweilige Stellung des Knüppels festzustellen. Die Grafik ist recht reichhaltig. So kann man über die Tastatur vorgegebene Grafik-Zeichen abrufen und überall einbauen. Eine extra dafür vorhandene SHIFT-Taste öffnet den Zugang, wobei einige Buchstabentasten zweifach belegt sind. Wem die Auswahl nicht genügt, der kann sich eigene Grafikzeichen definieren. Dazu muß etwas Erfahrung im Umgang mit Hexadezimal-Zahlen vorhanden sein, da die freien 4 x 8-Matritzen in dieser Zahlendarstellung codiert werden. Doch die Umrechnungen sind mit aufgeführt. Alle Zeichen des Bit-90 können umbelegt werden. Für die hochauflösende Grafik steht ein PLOT-Befehl zur Verfügung, auf Wunsch farbig. »Singen« kann der Computer auch. Als Ausgabegerät bietet sich der Recorder an, oder ein Audio-Verstärker. In der Anleitung wird genau erklärt, wie Tonhöhe und Dauer erzeugt werden.

Computer mit kleinen Fehlern

In einem Punkt wurde aber zu viel gespart. Ein Ein/Aus-Schalter, der schon bei einer leichten Berührung zum Absturz des Computers führt, ist nicht vertretbar. Hier muß wohl etwas geändert werden. Wenn man den Bit-90 zu lange betreibt, kann eine weitere unangenehme Überraschung auftreten. Durch zu starke innere Erhitzung steigt das Gerät aus. Dabei kann dieser thermische Effekt leicht durch ein besseres Kühlblech verhindert werden.

Der Bit-90 ist sicher mehr auf den Einsteiger als auf den Kenner zugeschnitten. Für den Preis von zirka 500 bis 600 Mark gibt es aber sicherlich interessantere Geräte.

Die wichtigsten Daten

CPU Z80A
Taktfrequenz 3,58 MHz
RAM-Bereich 34 KByte/18 KByte
ROM-Bereich 16 KByte
Bildschirmauflösung 256 x 192 Punkte
Farben 16
unverbindliche
Preisempfehlung 598 Mark/498 Mark


Wolfgang Mildner/hg



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