Dateiverwaltung: Datakit

Das Kernstück des »Datakit« für den 48-, KByte-Spectrum ist ein Maschinenprogramm, mit dem zusätzliche Befehle zum Einrichten und Führen von Dateien zur Verfügung stehen.

Mit dem Datakit (abgekürzt »dk«) werden zwei Rahmenprogramme geliefert, das erste zum Einrichten einer Datei, das zweite zum Verwalten derselben. Sie sind auch für den Benutzer interessant, der sich ein eigenes Dateiprogramm basteln möchte, weil sie ihn mit der Arbeitsweise des Datakit vertraut machen.

Leider stellt der Benutzer bald fest, daß die ausführliche — und erfreulicherweise weitgehend tippfehlerfreie — deutsche Anleitung etwas unübersichtlich ist: die Benutzung von »dk-New« zur Einrichtung einer Datei wird erst ab Seite 28 beschrieben.

Mit »dk-New« werden die für die Datei erforderlichen Listen eingerichtet und der Bildschirm aufgeteilt. Hier entdeckt man einige Eigenheiten des »dk« beziehungsweise der Programme:

— Es werden Listen geführt, für jedes zu speichernde Merkmal eine. Zudem stehen Listenarten zur Verfügung, die das »normale« Spectrum-Basic nicht zuläßt:

$ — Listen entsprechend den Basic-Feldern a$(Anzahl, Länge)

% — Listen wie $-Listen, jedoch ohne Vorgabe der Länge

& — Listen entsprechend den Basic-Zahlenfeldern a(Anzahl)

— Listen Binäre Listen zur Speicherung von ja/nein-Informationen, sehr platzsparend

— Der Benutzer der Datei bestimmt selbst, welche Merkmale in welcher Art von Liste gespeichert werden und wieviele.

— Der Benutzer kann mit »dk-New« die PRINT-Positionen der Labels (Listennamen) und Einträge selbst bestimmen und sich so die Karteikarte aufteilen, wie es ihm gefällt.

— Die zusätzlichen Listenarten % und # speichern die Daten platzsparender, zudem kommt es nicht mehr vor, daß etwa der Straßenname zu lang für das Feld »Straße« ist, es werden außerdem keine überflüssigen Spaces mitgespeichert.

— Die Labels können geändert werden, jedoch nicht die Art der Liste.

— Es ist auch nicht vorgesehen, eine Liste zu entfernen. (Wenn man zufällig eine andere Liste gleicher Art einrichten will, kann man den Namen ändern.) Auch die Ausgabe auf den Bildschirm kann nicht unterdrückt werden, außer durch Überschreiben mit anderen Angaben. — Beim Einrichten der Listen wird auch die Reihenfolge festgelegt, in der später die Eingaben abgefragt werden.

Der Benutzer sollte mit der Bildschirmaufteilung solange experimentieren, bis sie ihm wirklich gefällt. Eine spätere Änderung ist nur über »dk-New« wieder möglich (aber es geht immerhin!). Da beim Einrichten der Listen nach einem Beispiel gefragt wird, kann man recht gut ausprobieren, was einem am besten gefällt.

Die eingerichteten Listen müssen nun auf Band gespeichert werden. Für den Namen hat man nur neun Zeichen Platz, es wird immer als letztes Zeichen das Copyright-Symbol mit eingesetzt.

»dk-Data« enthält bereits eine Beispieldatei mit den Feldern: Name (%), Straße (%), PLZ ($), Ort (%), Telefon (%), *($), m/w (#), aktiv (#), Bereich (%), Text (%). Die Datei umfaßt 15 Datensätze (Karteikarten) und könnte zum Beispiel zur Verwaltung einer Clubdatei verwendet werden. Sie weist allerdings einige der Mängel auf, die die meisten Datei-Programme haben:

»Telefon« ist zwar eine %-Liste, aber die Bildschirmanordnung erlaubt keine Speicherung langer Nummern (eine Telefonnummer mit Vorwahl und sechs Stellen ist schon zu lang)

Das Ändern und/oder Erweitern der Datei ist etwas umständlich: Datei SAVEN, »dk-New« laden, Datei laden, ändern, Datei SAVEN, »dk-Data« laden, Datei laden. Es ist aber immerhin vorgesehen.

Schlimmer ist das ewige Scrollen beim Rücksprung zum »Menü«: sogar die INPUT-Zeile scrollt nämlich von unten in den Bildschirm hinein. Teilweise werden Zusatzinformationen gegeben (zum Beispiel beim Suchen), die dann einfach in die Karte;-karte hineingedruckt werden (durch BRICHT oder INVERSE), dann übersieht man sie leicht.

Das eigentliche »Menü« (besser: die Befehlsübersicht) erreicht man erst durch Eingabe von »i« für informiere oder »?«. Die Befehlsliste scrollt dann von unten in den Bildschirm. Störend ist hier auch die ewige Nachfrage, ob der eingebene Befehl auch richtig ist.

Noch störender fällt auf, daß für jeden Neueintrag eine recht lange Eingabefolge zu wiederholen ist: »n« ENTER (für Neueintrag), ENTER (Bestätigung der Nachfrage), »j« ENTER (auf die Frage »Korrektur«).

Beim Ändern der Einträge erscheint die komplette Karteikarte auf dem Bildschirm (ausnahmsweise mal mit CLS), die alten Einträge bleiben jedoch stehen und die neuen werden einfach darübergeschrieben. Erst, wenn man fertig ist, wird alles neu ausgedruckt und gefragt, ob das in Ordnung ist. Man muß hier mit »j« (ohne ENTER) antworten. Es werden immer alle Listen abgefragt (in der anfangs mit »dk-New« festgelegten Reihenfolge). Allerdings kann man nicht zu ändernde Einträge mit ENTER überspringen. Der alte Eintrag bleibt dann erhalten.

Unangenehm ist es auch, daß man von verschiedenen Routinen aus verschiedene Befehle zum Rücksprung ins »Menü« braucht.

Das Sortieren und Suchen geht sehr schnell; es wird nämlich nicht die Datei sortiert, sondern lediglich die Ausgabereihenfolge festgelegt.

Nicht richtig ist in der Anleitung die Behauptung, daß nicht nach #-Listen sortiert und gesucht werden kann: über »Suchlisten ändern« kann man den Inhalt dieser Listen in die Suchlisten kopieren, da die Suchlisten auch Binärlisten sind.

Je nach Anzahl der eingerichteten Suchlisten kann man nach Merkmalskombinationen suchen.

Trotz der teilweise etwas umständlichen Bedienung ist »dk-Data« in Verbindung mit »dk-New« meines Erachtens eines der besten deutschen Dateiprogramme, vielleicht sogar das beste, weil es eine Reihe von Möglichkeiten bietet, die ich bei anderen Dateiprogrammen schon schmerzlich vermißt habe. Durch die platzsparenden Listen (und durch die Einsparung von ExtraRoutinen für Neueintrag etc.) bekommt man sehr viele Datensätze in seinen Spectrum. Nur — das Drucken von Adreßetiketten sollte doch vorgesehen werden; denn der Benutzer von Dateien hat meist viel Post (sonst brauchte er keine Datei) und das Schreiben von Adressen ist keine besonders lustige Tätigkeit.

Aber wer möchte, kann sich ja mit dem »Datakit« sein eigenes Programm bauen. Diese Möglichkeit ist ausdrücklich vorgesehen, und die Anleitung beginnt mit der Erläuterung des Maschinenprogramms am Beispiel einer selbst einzutippenden Datei, die aber nur zur Erklärung zu gebrauchen ist.

Der Aufbau einer Datei ist schon in herkömmlicher Weise nicht einfach zu programmieren, mit »dk« dauert es noch etwas länger, weil man zudem »dk« erst verstehen muß. Dazu wird empfohlen, sich die Unterprogramme in den Rahmenprogrammen anzusehen.

Mir gefällt »Datakit« gut, schon deshalb, weil die beiden Rahmenprogramme bereits ein gutes Dateiprogramm ergeben. Zusätzlich erhält der Programmbastler aber noch ein schönes Werkzeug, zumal kein Teil irgendwie LIST-geschützt ist, und er auch nach Herzenslust editieren kann. Es wird ihm ja sogar gesagt, wie und wo.

Die Anleitung ist etwas unübersichtlich, aber sehr ausführlich (das ist auch nötig). Schön ist außerdem, daß in den Rahmenprogrammen die Anweisungen größtenteils so abgefaßt sind, daß man nicht dauernd nachschlagen muß. Und wer selbst programmieren will, beschäftigt sich mit dem Büchlein so intensiv, daß er sicher bald sofort findet, was er sucht.
Erika Hölscher


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