Colossus Chess 4.0 (XL)

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Heute will ich ein neues Schachprogramm vorstellen, das einiges zu bieten hat, "Colossus Chess 4.0" aus dem Hause CDS Software Ltd. Es ist vollständig in Maschinensprache geschrieben. Man merkt sofort, daß der Autor M.P. Bryant sein Handwerk versteht. Im Anhang der Anleitung ist vermerkt, daß "Colossus" gegen zahlreiche andere Schachprogramme antreten mußte. Alle Gegner, gleich auf welchem Rechner, wurden geschlagen. Von jeweils 16 Partien gewann "Colossus" z.B. gegen "Mychess 2.0" (C 64) 10:6, gegen "Superchess 3.5" (Spectrum) 12:4, gegen "Parker Chess" (Atari) 14:2 und gegen "3D Clock Chess" (Joyce) sowie viele andere 16:0.

Das ist ein beeindruckendes Ergebnis, das schon andeutet, wie spielstark dieses Programm ist. Dazu trägt auch eine Eröffnungsbibliothek von rund 3000 Stellungen und eine Rechengeschwindigkeit von 170 Zügen pro Sekunde bei. Auch sonst bietet "Colossus Chess 4.0" viel fürs Geld. Die grafische Darstellung des Bretts und der Figuren ähnelt der bei "3D Clock Chess", ist aber nicht ganz so gut. Leider läßt sich auch hier nicht auf 2D-Darstellung umschalten.

Die Züge werden über die Cursor-Tasten gesteuert. Das sieht z.B. so aus: Cursor auf die zu bewegende Figur bringen, mit RETURN bestätigen, Cursor auf die neue Position setzen, erneut RETURN drücken. Danach wird die Bewegung ausgeführt. Die jeweils letzten sieben Züge beider Gegner kommen auf der rechten Monitorseite zur Darstellung. Hier sind auch zwei Schachuhren installiert. Unterhalb des Bretts findet sich Platz für spielbegleitende Informationen wie z.B. Zugvorschlag usw. Das Programm zeigt hier auch an, wie viele Stellungen gerade durchgerechnet wurden, welches der zur Zeit beste Zug wäre usw. Wenn der Atari "denkt", kann man ihn mit einem Druck auf EXIT unterbrechen. Dann wird der aktuelle Zug ausgeführt. Neben den Cursor-Tasten sind auch andere belegt, mit denen sich verschiedene Optionen aufrufen lassen. Dem heutigen Standard entsprechend kann sich der Spieler eine Wunschstellung aufbauen, sofern diese nicht gegen die Schachregeln verstößt. Es ist auch möglich, einen Zug zurückzunehmen, diesen wieder ausführen zu lassen oder die Uhren zu beeinflussen. Interessant ist eine Option, die sich INVISIBLE nennt. Sie erlaubt es, entweder die weißen oder die schwarzen Figuren oder beide Seiten unsichtbar zu machen. Für Anfänger eignet sich besonders die Option LLEGAL MOVE). Bei Wahl von L prüft das Programm alle Möglichkeiten, die der Spieler mit der Figur hat, auf welcher der Cursor steht. Nachstehend noch einige Optionen in Kurzform: 0 erlaubt dem Spieler, die Seite zu wechseln, also mit den Steinen des Gegners zu spielen. P veranlaßt "Colossus", gegen sich selbst anzutreten. R steht für REPLAY. So läßt sich z.B. eine abgespeicherte Partie von Anfang an automatisch nachspielen. S schaltet "Colossus" ab. Der Spieler kann jetzt beide Seiten selbst übernehmen. D ruft die LOAD/SAVE-Option auf. U zwingt das Programm, den gerade ausgeführten Zug zurückzunehmen, um den nächstbesseren (also in der Regel den schlechteren) zu machen. V schaltet den Piepser ab. W ruft die Druckeroption auf. Drei Möglichkeiten stehen zur Verfügung. Man kann das Brett ausdrucken, alle bisher gemachten Züge auflisten oder ein fortlaufendes Protokoll schreiben lassen. Mit der letzten Option läßt sich der Spielmodus einstellen, also wählen, ob man Blitzschach spielt oder den Turniermodus wünscht, ob eine normale Runde folgen oder ein Problem analysiert werden soll usw. Auch hier sind die Möglichkeiten vielfältig.

In seiner Preisklasse ist "Colossus Chess 4.0" wohl einmalig. Spielstärke und Komfort sind einfach hervorragend. Als Zugabe sind auf der Diskette übrigens noch 34 Partien und 20 Problemstellungen abgespeichert, mit denen man sich die Zeit vertreiben kann. Hier läßt sich unter anderem verfolgen, wie sich Victor Korchnoi gegen einen CRAY 1 geschlagen hat. Abgesehen von der Grafik, die etwas besser sein könnte, halte ich "Colossus Chess 4.O" für das beste Schachprogramm, das zur Zeit angeboten wird.

System: Atari 8 Bit
Hersteller: CDS Software
Bezugsquelle: Diabolo


Rolf Knorre


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