Rund ums DOS

Viele Leserbriefe haben gezeigt, daß das Thema DOS gerade bei Floppy- Neulingen einige Verwirrung stiftet. Deshalb sollen an dieser Stelle einmal ein paar grundlegende Fragen geklärt werden, abgerundet durch eine Aufstellung der bekanntesten DOS-Versionen. Was ist überhaupt ein DOS? Wann und wozu braucht man es?

Auf Diskette unterscheidet man grob zwei Arten von Programmen, Boots und Files (Dateien). Ein Boot wird beim Einschalten des Computers automatisch geladen, d.h., der Rechner weiß von selbst, wie er es zu bearbeiten hat. Praktisch alle gekauften Programme (insbesondere Spiele) sind Boots. Der Standardladevorgang sieht hier so aus: Diskette einlegen, OPTION-Taste gedrückt halten (wenn das Basic ausgeschaltet werden muß) und Computer anschalten; alles weitere geschieht von selbst. Bei Programmen, die hiervon abweichen, ist der genaue Ladevorgang immer in der Anleitung angegeben.

Eine solche Boot-Diskette kann natürlich (im Normalfall) immer nur ein Programm enthalten. Will man mehrere auf eine Diskette bringen, muß man sie als Dateien, jedes unter einem eigenen Dateinamen, abspeichern. Der Atari besitzt Ein-/Ausgabe-Routinen, die zusammen mit einem sogenannten Geräte-Handler solche Dateien bearbeiten kˆnnen; man muß ihnen nur den Code des jeweiligen Handlers übergeben. Dieser lautet z.B. für den Cassetten-Handler "C:" (z.B. LOAD"C:"), für den Drucker (Printer) "P:" (z.B. LIST"P:") und für die Diskette "D:". Die Handler "C:" und "P:" sind fest in das Betriebssystem eingebaut. Bei "D:" ist das nicht der Fall. Deshalb muß zuerst ein Programm geladen werden (natürlich als Boot), das dem Computer Kenntnis von "D:" vermittelt. Genau diese Aufgabe übernimmt das DOS (= Disk Operating System = Diskettenbetriebssystem). Zum Handler zählt auch noch das FMS (File Management System). Das sind Routinen, die klären, wie Files technisch auf Diskette zu organisieren sind. Außerdem gehˆrt zu jedem DOS noch ein DOS-Menü, das (aufgerufen z. B. durch den Basic-Befehl DOS) meistens extra nachgeladen wird, um Speicherplatz zu sparen. Es enthält Funktionen für den Diskettenbetrieb, die man nicht unbe- dingt ständig zur Verfügung haben muß, so z. B. zum Lˆschen, Schützen oder Kopieren von Files, aber auch zum Kopieren oder Formatieren von Disketten. Gerade das Format oder die Formate, die ein DOS unterstützt, entscheiden in hohem Maße über seine Nützlichkeit. Deshalb ist dieser Punkt in der folgenden Aufstellung auch immer besonders berücksichtigt.

DOS 2.OS: Public-Domain-Software. Dieses DOS unterstützt ein Format, das ca. 88 KByte auf einer Diskettenseite unterbringt (die einzige Speicherdichte, die die alte 810-Station lesen konnte). Dieses Format ist allgemein als Single Density bekannt und hat einen bis heute gültigen Standard gesetzt. Fast alle kommerziellen Programme ( und alle unsere Leserservice-Disketten) werden auf Single Density angeboten.

DOS 3: Wird mit der neuen Atari-Station 1050 geliefert. Da diese in der Lage ist, in einer hˆheren Dichte zu formatieren (ca. 128 KByte), wollte man mit ihrem Erscheinen natürlich auch ein DOS herausbringen, das im Gegensatz zu DOS 2 die erhˆhte Dichte nutzen kann, eben DOS 3. Nun hatte dieses allerdings zwei erhebliche Mängel. Zum einen war das neue Format in keiner Weise kompatibel zu dem von DOS 2 und auch nicht gerade günstig ausgenutzt. Das DOS ging sehr verschwenderisch mit Speicherplatz um. Außerdem hatte man im DOS-3Menü in Hinblick auf die Bedienerführung etwas übertrieben. Um es dem Neuling leicht zu machen, sagt das DOS immer genau, was als nächstes zu tun ist. Auf diese Weise kommt aber kaum eine Funktion ohne mindestens einmaliges Nachladen und vier (!) Nachfragen aus, so daß ein ernsthaftes Arbeiten praktisch unmˆglich ist. DOS 3 wurde also von den Anwen- dern und Clubs recht schnell wieder vergessen und als reines Sammlerstückchen abgetan. Wer noch mit DOS 3 arbeitet, sollte schleunigst damit aufhˆren und sich bei seinem Händler kostenlos DOS 2 oder 2.5 besorgen. Angesichts der genannten Nachteile ist es kein Wunder, wenn die DOS-3-Funktion "Wandle DOS-2-File in DOS 3" bei den meisten Usern eher ein amüsiertes Schmunzeln hervorruft, während Programme, die das Gegenteil tun, heißbegehrt sind. Ein solcher DOS-3- To-2Converter ist übrigens noch auf der CK-Programmservice-Diskette All erhältlich. DOS 2.5: Public Domain, wird mit dem 130 XE geliefert und ist auf all unseren "Lazy Finger"- und Programmierservice-Disketten enthalten. Nachdem DOS 3 sich als Flop entpuppte, entwikkelte man DOS 2.5, das wieder zu DOS 2 kompatibel war, die Einrichtung einer RAM-Disk für den 130 XE erlaubte und außerdem noch das dichtere DOS-3-Format an DOS 2 anpaßte. Dieses Format wird meistens als Enhanced, Medium oder Dual Density bezeichnet. (Den Ausdruck Double Density sollte man vermeiden, da sonst die Mˆglichkeit einer Verwechslung mit der "echten" Double Density besteht, die man nur mit einer "getuneten" 1050 erhält.) Mit DOS 2.5 wird jeder zumindest so lange gut zurechtkommen, bis er seine Floppy 1050 auf echte DD aufrüstet.

DOS XL: Unterstützt Single und Double (keine Enhanced) Density. Das Besondere ist, daß hier kein DOS-Menü mehr vorliegt, das nachgeladen wird, sondern ein MiniInterpreter immer im Speicher bleibt, dem man die DOS- Funktionen als 3-Buchstaben-Befehle mit Parametern übergibt. Um beispielsweise alle Basic-Files einer Diskette aufzulisten, tippt man DIR*.BAS ein. Die Vorteile sind folgende: Das Nachladen entfällt; die Bedienung ist vielseitiger und schneller als bei einem Menü. Die Nachteile liegen darin, daß man die Kommandos auswendig lernen muß, mehr Speicherplatz verbraucht wird und Befehle zum Formatieren und Kopieren nicht fest eingebaut sind.

Happy-DOS-2+: Dieses DOS vom Verlag Markt & Technik unterstützt Single und Enhanced Density. Im großen und ganzen gilt dasselbe wie beim DOS XL, jedoch sind hier Formatierbefehle und eine Copy-File-Funktion eingebaut. - DOS 4.0: Public Domain, ist über den Verlag erhältlich. Dieses DOS ist eines der wenigen, die alle drei (!) Formate (SD/ED/DD) unterstützen. Allerdings muß man von Hand die jeweilige Konfiguration einstellen.

In den USA gibt es noch einige weitere DOS-Versionen, die sich aber mehr oder weniger nur darin unterscheiden, wie großzügig ihre Menüs ausgelegt sind und ob oder wie sie die Dichten SD, ED und DD unterstützen.
Matthias Bolz


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